Sechs Angriffe in zehn Tagen – Russlands Drohnen treffen Schiffe im Schwarzen Meer und erschüttern Europas Versorgungssicherheit.
Mutmaßliche russische Drohnenangriffe auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer haben in Europa Alarm ausgelöst. Kaja Kallas, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, sprach gegenüber dem Europäischen Parlament von „einer gefährlichen und inakzeptablen Eskalation“. Innerhalb von nur zehn Tagen wurden Schiffe insgesamt sechsmal attackiert – unter anderem vor den Küsten Rumäniens und Bulgariens, die als EU- und NATO-Mitgliedstaaten besondere geopolitische Bedeutung tragen.
Für die Ukraine, einen der bedeutendsten Getreideexporteure weltweit, bedeutet die Blockade täglich Einnahmeverluste von rund 60 Millionen Euro.
Globale Folgen
Kallas machte vor dem Europäischen Parlament deutlich, dass die Angriffe weit über den unmittelbaren Kriegsschauplatz hinauswirken. „Russlands Vorgehen erschwert es, weltweit Teller mit Nahrung zu füllen“, sagte sie. Zwar betonte sie, dass „die globalen Getreidevorräte größer als 2022″ seien, doch stünden diese angesichts des Super-El-Niño, anhaltender Dürren und der Konflikte im Nahen Osten unter erheblichem Druck.
Die Staats- und Regierungschefs der EU forderten in der vergangenen Woche die umgehende Wiederherstellung sicherer Schifffahrtswege im Schwarzen Meer. Die seit 2022 eingerichteten Solidarity Lanes, über die ukrainische Waren auf dem Landweg durch die EU transportiert werden, geraten ihrerseits unter Druck, da Russland gezielt Grenzübergänge zu Moldau, Rumänien und Polen angreift.
Alternative Handelsrouten
Die EU arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Sicherheit der Schifffahrtswege zu stärken und alternative Handelsrouten auszubauen, um die Abhängigkeit von den gefährdeten Transportkorridoren zu verringern. Am 28. Mai 2025 schlugen die EU-Kommission und die Hohe Vertreterin die Einrichtung eines Schwarzmeer-Zentrums für maritime Sicherheit vor, das den Informationsaustausch, die Überwachung kritischer maritimer Infrastruktur und Frühwarnungen vor Bedrohungen koordinieren soll.