Abnehmen mit Nebenwirkung: Die beliebten Spritzen gegen Übergewicht sorgen für einen unerwarteten Babybauch bei Frauen – trotz Verhütung.
Immer mehr Frauen berichten von unerwarteten Schwangerschaften nach der Anwendung von Abnehmspritzen. Diese Medikamente mit den Wirkstoffen Semaglutid oder Liraglutid wurden eigentlich zur Diabetesbehandlung entwickelt, finden aber zunehmend Einsatz bei der Gewichtsreduktion. Unter Markennamen wie Ozempic, Wegovy oder Saxenda reduzieren sie das Hungergefühl und regulieren den Blutzuckerspiegel. Doch nun häufen sich die Fälle von Frauen, die trotz Verhütung schwanger wurden, nachdem sie diese Präparate eingenommen hatten.
Die veränderte Fruchtbarkeit könnte mit dem Gewichtsverlust zusammenhängen. Gynäkologin Dr. med. Susanne Johna erklärt: „Wenn Frauen Gewicht verlieren, kann das die Fruchtbarkeit erhöhen. Viele Frauen mit Übergewicht haben einen unregelmäßigen Zyklus oder gar keinen Eisprung.“ Durch die Gewichtsabnahme kann sich das normalisieren – und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden.
Wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft kürzlich bestätigte, kann bereits eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent ausreichen, um den Eisprung bei übergewichtigen Frauen zu normalisieren und damit die Fruchtbarkeit deutlich zu erhöhen.
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Verhütungswirkung beeinträchtigt
Es gibt zudem Anhaltspunkte, dass Abnehmspritzen die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmethoden beeinträchtigen könnten. „Wenn jemand stark an Gewicht verliert oder sich der Stoffwechsel verändert, kann das die Aufnahme und Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen“, erläutert Johna. Dies betreffe auch die Antibabypille. Umfassende Studien fehlen zwar noch, aber erste Fallberichte deuten auf mögliche Wechselwirkungen hin.
Ein weiteres Problem: Typische Nebenwirkungen wie Erbrechen oder verzögerte Magenentleerung können die Aufnahme oraler Kontrazeptiva erheblich beeinträchtigen. Dies bestätigen Experten sowohl der Deutschen Diabetes Gesellschaft als auch der britischen Arzneimittelbehörde, die beide von einer Zunahme ungeplanter Schwangerschaften unter GLP-1-Analoga berichten.
In den Beipackzetteln der entsprechenden Präparate empfehlen die Hersteller Frauen im gebärfähigen Alter, während der Behandlung zuverlässig zu verhüten. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) rät zusätzlich, bei Kinderwunsch das Medikament mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.
Vorsichtsmaßnahmen
Frauen, die keine Schwangerschaft planen, sollten daher besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen. „Wer Abnehmspritzen verwendet, sollte mit seiner Frauenärztin oder seinem Frauenarzt über die Verhütung sprechen“, empfiehlt Johna. „Eventuell ist eine nicht-hormonelle Methode wie die Kupferspirale sinnvoller.“
Verschiedene Fachgesellschaften verlangen inzwischen eine bessere Aufklärung der Patientinnen über die möglichen Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Verhütung. Gleichzeitig fordern sie mehr Forschung, um die genauen Zusammenhänge besser zu verstehen.
Bis dahin gilt für Anwenderinnen von Abnehmspritzen: Die möglichen Nebenwirkungen im Blick behalten und bei ausbleibender Periode sicherheitshalber einen Schwangerschaftstest durchführen. Wichtig zu wissen: Die Sicherheit dieser Medikamente für den Fötus ist nicht ausreichend erforscht, weshalb die Fachinformationen der Hersteller explizit raten, die Präparate vor einer geplanten Schwangerschaft rechtzeitig abzusetzen.