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Expertenmeinung

Experten schlagen Alarm – Österreichs Verkehrsstrategie unter Kritik

Experten schlagen Alarm – Österreichs Verkehrsstrategie unter Kritik
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

In Österreich mangelt es an wirksamen Maßnahmen zur Verkehrsreduktion, wie eine umfassende Expertenbefragung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) belegt. An der Erhebung beteiligten sich 435 Fachleute, die insbesondere bei Arbeitswegen erhebliches Potenzial zur Verkehrsvermeidung identifizierten. Der VCÖ betont in seiner Mitteilung, dass gerade im Bereich der berufsbedingten Mobilität deutliche Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.

Die befragten Experten sind sich weitgehend einig: Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs stellt die effektivste Strategie zur Verringerung des Autoverkehrs dar. 82 Prozent der Fachleute attestieren dieser Maßnahme sehr großes Potenzial, weitere 15 Prozent sehen immerhin noch eher großes Potenzial. Drei Viertel der Befragten messen zudem dem Ausbau der Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer sehr große Bedeutung bei.

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Eine Raumplanung, die auf kurze Wege setzt, wird von 72 Prozent als hocheffektiv eingestuft. Etwa zwei Drittel der Experten erwarten zudem positive Effekte durch eine verbesserte Nahversorgung sowie durch Reformen bei Grünland-Umwidmungen und der Stellplatzverordnung.

Einsparpotenziale

Die Untersuchung zeigt deutlich, dass das größte Einsparpotenzial bei regelmäßigen Wegstrecken liegt – allen voran bei Arbeits-, Schul- und Ausbildungswegen. Auch im Bereich dienstlicher Fahrten und im Freizeitverkehr sieht die Mehrheit der Befragten erhebliche Möglichkeiten zur Verkehrsreduktion. Hingegen werden bei Hol- und Bringdiensten sowie bei Einkaufsfahrten die geringsten Einsparpotenziale gesehen.

Die Hauptverantwortung für entsprechende Maßnahmen verorten die Experten klar bei politischen Entscheidungsträgern. Als zentrale Hindernisse für eine effektive Verkehrsvermeidung nennen 70 Prozent der Befragten mangelnden politischen Willen und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen. 57 Prozent sehen den Widerstand wirtschaftlicher Interessengruppen als wesentliches Problem, während 56 Prozent die Umsetzung kontraproduktiver Maßnahmen kritisieren, die letztlich zu mehr statt weniger Verkehr führen.

Politische Verantwortung

Bei der Frage nach der Verantwortungsverteilung zeigt sich ein klares Bild: 78 Prozent der Fachleute sehen eine sehr hohe Verantwortung bei der Bundespolitik, dicht gefolgt von Städten und Gemeinden mit 76 Prozent sowie den Bundesländern mit 74 Prozent. Am wenigsten in der Pflicht sehen die Experten Freizeiteinrichtungen. Interessant ist auch die Einschätzung zu autonomen Fahrzeugen: Diese könnten laut Mehrheitsmeinung nur dann zur Verkehrsreduktion beitragen, wenn sie ausschließlich im öffentlichen Verkehr eingesetzt würden.

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Selbstfahrende Privatfahrzeuge hingegen würden nach Ansicht der meisten Fachleute sogar zu einer Zunahme des Verkehrsaufkommens führen.

„Zu viel Autoverkehr macht niemandem eine Freude: Anrainerinnen und Anrainer werden durch Abgase und Lärm belastet, Autofahrerinnen und Autofahrer stehen öfter im Stau und die Umwelt wird stärker verschmutzt. Umgekehrt profitieren viele, wenn es gelingt, den Verkehr zu verringern. Die Luft wird sauberer und gesünder, weniger Lärm bringt mehr Lebensqualität und bei weniger Staus kommen jene, die aufs Auto angewiesen sind, schneller ans Ziel“, betonte VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.

Die Fachleute sehen in der Verkehrsvermeidung zahlreiche Vorteile, darunter vor allem die Verringerung von Schadstoffen, Lärm und CO2-Emissionen. Auch die Attraktivierung von Ortskernen und die Senkung des Energieverbrauchs werden als positive Effekte genannt.

Gleichzeitig kritisieren die Experten kontraproduktive Maßnahmen wie den Bau neuer Autobahnen, fortschreitende Zersiedelung und klimaschädliche Förderungen – darunter die steuerliche Begünstigung von Diesel und die vorteilhafte Besteuerung der privaten Nutzung von Dienstwagen.