Kroatische Rentner kämpfen mit der größten Einkommenslücke Europas. Eine aktuelle Vergleichsstudie von Data Pulse positioniert das Land auf dem letzten Platz unter 30 untersuchten Nationen.
Die Zahlen sind alarmierend: Während kroatische Senioren durchschnittlich nur 5.600 Euro jährlich an Rente beziehen, belaufen sich ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten auf etwa 9.300 Euro pro Jahr. Diese Diskrepanz bedeutet, dass den Rentnern rund 40 Prozent des notwendigen Einkommens für ihre Grundbedürfnisse fehlen – das größte Defizit im gesamten Untersuchungsraum.
Die umfassende Analyse bezog alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Serbien und Montenegro ein und untersuchte, inwieweit die Rentenzahlungen die Lebenshaltungskosten in den jeweiligen Ländern abdecken. Selbst unter Berücksichtigung der Nicht-EU-Staaten landete Kroatien auf dem letzten Rang, da die dortigen Renten lediglich 60 Prozent der erforderlichen Ausgaben decken. Knapp davor liegt Slowenien mit einem Finanzierungsdefizit von 39 Prozent, gefolgt von Ungarn mit 38 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei einer Unterdeckung von 20 Prozent.
Europäische Kontraste
An der Spitze der Rangliste steht Rumänien, wo Rentner nach Abzug aller Lebenshaltungskosten einen durchschnittlichen Überschuss von 21 Prozent verzeichnen. Tschechien folgt mit einem Plus von 18 Prozent, während auch Rentner in Polen und Spanien noch leicht positive Bilanzen aufweisen. Die Erhebung basiert auf Daten aus 2023 und zeigt ein bemerkenswertes Muster: Obwohl kroatische Rentner vergleichsweise niedrige Bezüge erhalten, bleiben ihre Ausgaben verhältnismäßig hoch.
In Rumänien beispielsweise erhalten Senioren mit etwa 5.800 Euro jährlich ähnliche Rentenzahlungen, müssen jedoch nur durchschnittlich 4.800 Euro für ihren Lebensunterhalt aufwenden – was ihnen einen bescheidenen finanziellen Spielraum ermöglicht.
Ein wesentlicher Faktor für diese Unterschiede sind die Wohnkosten. Etwa 90 Prozent der kroatischen Rentner besitzen ihre Immobilien schuldenfrei – eine Quote, die mit Ländern wie Ungarn, Bulgarien und Serbien vergleichbar ist. Im Kontrast dazu leben Senioren in wohlhabenderen westeuropäischen Staaten wie Deutschland, Österreich und den Niederlanden häufiger zur Miete, was ihre monatlichen Ausgaben deutlich erhöht. Hohe Rentenbezüge garantieren daher nicht automatisch finanzielle Sicherheit.
In Luxemburg etwa erhalten Rentner jährlich mehr als 34.000 Euro, stehen jedoch Lebenshaltungskosten von über 50.000 Euro gegenüber – trotz der höchsten Rentenzahlungen Europas resultiert daraus ein erhebliches Defizit.
Aktuelle Entwicklung
Die Situation in Kroatien könnte sich bei Betrachtung aktuellerer Daten geringfügig verbessern. Nach Angaben des Kroatischen Rentenversicherungsinstituts stieg die durchschnittliche Monatsrente von 452 Euro Ende 2023 auf 561 Euro Ende 2025. Diese Steigerung reflektiert sowohl Indexierungsanpassungen als auch allgemeines Lohnwachstum. Allerdings wurden diese Rentenerhöhungen von einer anhaltenden Inflation von über drei Prozent pro Jahr begleitet, was die realen Zuwächse weitgehend neutralisierte.
Experten betonen, dass kroatische Rentner ohne strukturelle Verbesserungen des Rentensystems oder eine nachhaltige Eindämmung der Lebenshaltungskosten voraussichtlich weiterhin zu den finanziell verwundbarsten Seniorengruppen Europas zählen werden.