„Es warten oft steile Karrieren“

(FOTO: Matthias Buchwald)
KOSMO: Wie lange gibt es die Gebäudereinigungsakademie schon, wie entstand die Idee dazu?
Christoph Guserl: Vor etwas weniger als zwanzig Jahren fasste die Landesinnung den Entschluss, Schulungen für Mitgliedsbetriebe anbieten zu wollen. Die Suche nach einem passenden Objekt gestaltete sich schwierig, 2007 wurde man schließlich fündig und kaufte das heutige Areal in Liesing an. Erste Schulungen folgten dann schon zwei Jahre später.
Wie wurden die Einsatzorte – z.B. der U-Bahn-Waggon – dorthin gebracht?
Die Verkehrsmittelreinigung ist eines unserer vielen Berufsfelder– daher mussten wir die Möglichkeit für den U-Bahn-Waggon nutzen, als sie sich durch einen Kontakt zu den Wiener Linien ergab. Ein Schlosserei-Betrieb hat ihn für uns zerlegt und in der Akademie wieder möglichst originalgetreu zusammengebaut.
Welche verschiedenen Ausbildungen werden dort angeboten?
Laut der ÖNORM-D2040, die entwickelt wurde, um Ausbildungen professionell und vergleichbar zu machen, haben wir 15 Kurse abgebildet – vom Basiskurs, über den Vorarbeiter, vom Lehrabschluss-Vorbereitungskurs bis hin zum Meisterprüfungsvorbereitungskurs decken wir alles ab.
Trotz der tollen Ausbildungsstätte haben sie wenig Lehrlinge, hätten gerne mehr, woran liegt das?
Der Beruf ist mit dem Wortlaut Reinigungstechnik modernisiert worden, das Image der Reinigung ist aber immer noch ausbaufähig. Vielen fehlt die Achtung vor unserem Handwerk. Bei der Besichtigung der Akademie sind viele Jugendliche begeistert über das Feld und den Beruf, stoßen aber dann zu Hause oftmals auf negative Vorurteile und dementsprechende Reaktionen von Familie und Angehörigen. Deswegen sind wir dahinter, interessierte Jugendliche zu finden und in unseren Mitgliedsbetrieben gut auszubilden.
Warum bestehen so viele falsche Vorurteile über die Branche?
Das ist ein gesellschaftliches Problem, einfache Reinigungstätigkeiten in den eigenen vier Wänden werden oft mit der Arbeit in unserer Branche gleichgesetzt. Mit professioneller Reinigungstechnik hat das aber nicht das geringste zu tun. Wir bemühen uns, als Branche aufzuklären. In der Reinigungsbranche warten vielfältige und oft steile Karrierewege.
Reinigungstechnik – Ein einzigartiger Lehrberuf
Den richtigen Umgang mit Reinigungsmitteln, Maschinen und Geräten oder das gezielte Fachwissen für die Reinigung verschiedenster Orte und Materialien: In nur drei Lehrjahren kann man alles rund um die Sauberkeit lernen.
Neben dem Pflichtschulabschluss, guter körperlicher Verfassung, Hygiene- und Umweltbewusstsein und Organisationstalent braucht es dafür nur die richtige Motivation, um in der krisenfesten Branche der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung durchzustarten.
Wer ein Jahr länger Zeit und Lust hat, kann eine Doppellehre machen und die Ausbildung zur Bürokauffrau oder zum Bürokaufmann zusätzlich absolvieren. Als Fachkraft wartet eine krisensichere Anstellung, wer sich fokussieren will, kann als Spezialistin für Denkmal- und Fassadenreinigung oder für Krankenhausreinigung durchstarten. Auch die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig zu machen, ist nach bestandener Meisterprüfung möglich.
Wollen Sie mehr erfahren? Weitere Informationen zur Reinigungstechnik-Ausbildung finden Sie auf www.gebaeudereinigungsakademie.at und wko.at/wien/gebaeudereiniger.