Frauen kümmern sich am meisten um Gesundheit – und werden dabei am wenigsten ernst genommen. Ein neuer Report liefert alarmierende Zahlen.
Laut dem aktuellen „Austrian Health Report“, den das Marktforschungsinstitut IFES im Auftrag der Pharmafirma Sandoz durchgeführt hat, fühlen sich Frauen in Österreich im Umgang mit dem Gesundheitssystem systematisch benachteiligt. 44 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass ihre Schmerzen von Ärzten häufig oder gelegentlich nicht ernst genommen werden – bei Männern liegt dieser Anteil mit 23 Prozent deutlich darunter.
Psychische Dauerbelastung
An der Erhebung, die online und telefonisch durchgeführt wurde, nahmen mehr als 1.000 Personen teil. Frauen übernehmen im familiären Umfeld überproportional häufig Verantwortung für Gesundheitsfragen – 67 Prozent sehen sich dafür zuständig, gegenüber 44 Prozent bei den Männern. Gleichzeitig fühlen sie sich von medizinischem Fachpersonal weniger wahrgenommen.
Auch die psychische Belastung ist bei Frauen stärker ausgeprägt. Barbara Haid, Präsidentin des Bundesverbandes für Psychotherapie, bringt es auf den Punkt: „Hinter diesen Zahlen stehen Menschen mit Belastungen.“ Und weiter: „Der ‚Mental Load‘ (mentale Dauerbelastung) ist mehr als nur eine To-do-Liste. Er bedeutet, dass man permanent funktionieren muss. Das kann zu einem psychischen Risikofaktor werden.“
Zwei-Klassen-Medizin
82 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin existiert. Die allgemeine Zufriedenheit mit dem System ist von 56 Prozent im Jahr 2022 auf aktuell 48 Prozent gesunken.
Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei Frauen: Nur 41 Prozent von ihnen zeigen sich zufrieden – als Hauptkritikpunkte werden lange Wartezeiten und eine als unzureichend empfundene medizinische Versorgung genannt.