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Bildungskrise

Sitzenbleiben-Boom: Österreichs Schüler werden immer älter

Sitzenbleiben-Boom: Österreichs Schüler werden immer älter
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3 Min. Lesezeit |

Immer mehr österreichische Klassenzimmer werden zum Treffpunkt der Generationen – mit wachsenden Altersunterschieden und problematischen Folgen für alle Beteiligten.

In Österreich wächst die Zahl der Schüler, die deutlich älter als ihre Klassenkameraden sind. Eine aktuelle OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ identifiziert das Sitzenbleiben als Hauptursache für diesen Trend, der sowohl für die betroffenen Kinder als auch für den Unterrichtsalltag zunehmend problematisch wird.

Die Daten zeigen eine klare Entwicklung: Der Anteil „überaltriger“ Kinder in Volksschulen ist zwischen 2015 und 2023 von 4,1 auf 5,8 Prozent gestiegen. In Mittelschulen und AHS-Unterstufen nahm dieser Wert sogar von 6,5 auf 9,1 Prozent zu. Diese Zahlen liegen deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 32 Ländern, der lediglich bei 2,0 beziehungsweise 3,8 Prozent liegt.

Die dramatischen Zahlen bestätigen sich auch in der konkreten Statistik: Im Schuljahr 2022/23 mussten in Österreich 25.100 Kinder und Jugendliche eine Klasse wiederholen – ein Zehnjahreshoch. Die Quote lag damit bei 2,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler. Besonders betroffen ist Wien mit 3,5 Prozent, während Kärnten und Tirol mit jeweils 1,8 Prozent die niedrigsten Quoten aufweisen.

Ursachen des Trends

Die Studie führt mehrere Faktoren für diese Entwicklung an. Neben dem Sitzenbleiben spielen auch verspätete Schuleintritte und spezielle Integrationsklassen für Zuwanderer eine Rolle. In der Volksschule macht das Wiederholen einer Klasse etwa die Hälfte der Fälle aus, in Mittelschulen und AHS-Unterstufen rund ein Drittel. Die übrigen Fälle betreffen Kinder mit Vorschuljahr oder Quereinsteiger.

Seit der Einführung separater Deutschförderklassen im Schuljahr 2018/19 müssen zudem mehr Schüler aufgrund von Sprachdefiziten Klassen wiederholen, was den Anteil älterer Schüler weiter erhöht.

Die Corona-Pandemie verstärkte diese Problematik zusätzlich: Während der Gesundheitskrise waren die Aufstiegsregeln gelockert worden, weshalb die Zahl der Klassenwiederholungen zunächst deutlich gesunken war. Nach der Rücknahme dieser Sonderregelungen holten viele Schüler das Sitzenbleiben in den Folgejahren nach – was den aktuellen starken Anstieg erklärt.

Negative Folgen

Die OECD-Studie weist auf erhebliche Nachteile für Kinder hin, die eine Klasse wiederholen müssen: Sie entwickeln oft eine negativere Einstellung zum Schulbesuch, zeigen schwächere Leistungen und brechen häufiger ihre Schullaufbahn ab. Auch langfristige Bildungsziele wie Matura oder Hochschulabschluss können gefährdet sein.

Für Lehrkräfte bedeutet die große Altersspanne innerhalb einer Klasse eine zusätzliche Herausforderung, da sie mit stark unterschiedlichen Leistungsniveaus und Reifeunterschieden konfrontiert sind.

Die OECD rät daher zu einer kritischen Überprüfung der Wiederholungspraxis und empfiehlt alternative Förderkonzepte, um langfristige Bildungsnachteile zu vermeiden.

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KO KOSMO-Redaktion
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