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Katastrophe

Standseilbahn krachte in Hotel: 15 Tote und zahlreiche Verletzte (VIDEOS)

Standseilbahn krachte in Hotel: 15 Tote und zahlreiche Verletzte (VIDEOS)
FOTO: EPA/MIGUEL A. LOPES
4 Min. Lesezeit |

Lissabons historische Standseilbahn verwandelt sich in eine tödliche Falle. Der Elevador da Glória, sonst beliebtes Touristenziel, hinterlässt Trauer und offene Fragen.

Bei einem schweren Unfall der historischen Standseilbahn „Elevador da Glória“ in Lissabon sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Wie ein Sprecher der Rettungsteams mitteilte, wurden zudem 18 Personen verletzt. Zur Nationalität der Opfer liegen noch keine Informationen vor, unter ihnen befinden sich vermutlich auch Touristen. Die Unfallursache ist derzeit noch ungeklärt. Lokale Medien berichten von einem möglicherweise gerissenen Aufzugkabel, während der Bahnbetreiber ein Versagen der Bremsen vermutet. Die portugiesische Regierung hat für Donnerstag einen nationalen Trauertag ausgerufen.

📍 Ort des Geschehens

Der Unfallbereich wurde weiträumig abgesperrt, während kontinuierlich Sirenen zu hören waren und die Aufräumarbeiten auf Hochtouren liefen. In der Umgebung des Unfallortes haben sich zahlreiche Menschen versammelt, berichtete eine Augenzeugin . Die Gesichter der Anwesenden spiegelten Betroffenheit und Fassungslosigkeit wider. Niemand könne das Geschehene begreifen. Die Bahn, die den ganzen Tag mit Touristen gefüllt war, liege nun zerstört da.

Dramatischer Unfallhergang

Nach Medienberichten kam die als „Elevador“ oder „Ascensor da Glória“ bekannte Bahn von den Schienen ab und überschlug sich anschließend. Fernsehbilder zeigen den gelben, demolierten Waggon, aus dem Rettungskräfte Menschen bergen. Der zweite Waggon am unteren Streckenende blieb offenbar unbeschädigt. Auf Videoaufnahmen von CNN Portugal ist jedoch zu sehen, wie dieser Waggon zum Unfallzeitpunkt stark erschüttert wurde, woraufhin mehrere Fahrgäste schreiend aus den Fenstern sprangen.

Rettungsdienstleiter Tiago Augusto bestätigte am Mittwochabend, dass keine Personen mehr in der verunglückten Bahn eingeklemmt seien und alle Opfer aus den Trümmern geborgen wurden. Das Unglück ereignete sich gegen 18 Uhr Ortszeit (19 Uhr in Österreich). Die Rettungskräfte waren mehrere Stunden damit beschäftigt, eingeklemmte Passagiere zu befreien.

Lissabons Bürgermeister Carlos Moedas äußerte sich gegenüber Journalisten: „Es ist ein tragischer Tag für unsere Stadt. Lissabon trauert!“ Moedas gehört der konservativ-liberalen Partido Social Democrata (Sozialdemokratische Partei) an. Die Stadt Lissabon ordnete zusätzlich zum nationalen Trauertag drei Tage der Trauer an.

Eine Augenzeugin berichtete dem Sender „SIC Notícias“, dass die Bahn mit lautem Getöse entgleiste, die abschüssige Straße hinunterrutschte und schließlich gegen ein Gebäude am Restauradores-Platz im Stadtzentrum prallte. „Das war ohrenbetäubend, ich und andere Passanten sind weggerannt.“ Die sichtlich erschütterte junge Frau erzählte, dass kurz darauf Sanitäter und Polizisten am Unfallort eintrafen.

Ermittlungen laufen

Der Nachrichtensender „SIC Notícias“ meldete unter Berufung auf den Bahnbetreiber, die Lissabonner Verkehrsgesellschaft Carris, dass ein Bremsversagen als Unfallursache vermutet wird. Die Ermittlungen werden von der portugiesischen Behörde für die Untersuchung von Eisenbahnunfällen geführt, wobei als mögliche Ursache ein gerissenes Zugseil oder ein technisches Versagen diskutiert wird. Die Kriminalpolizei hat mit mehreren Beamten vor Ort bereits Ermittlungen eingeleitet. Ein derartiger Unfall mit einer der Standseilbahnen ist in Lissabon bislang nicht vorgekommen.

Laut Carris wurden „alle Wartungsprotokolle“ eingehalten. Dies betreffe sowohl die vierjährliche Generalwartung, die zuletzt 2022 durchgeführt wurde, als auch die zweijährliche Zwischenwartung aus dem vergangenen Jahr. Der Betreiber bestätigte, dass alle vorgeschriebenen Wartungsarbeiten zuletzt ordnungsgemäß durchgeführt wurden. Die Generalstaatsanwaltschaft teilte der Nachrichtenagentur Lusa mit, dass die Staatsanwaltschaft – wie in solchen Fällen gesetzlich vorgeschrieben – eine Untersuchung einleiten werde.

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa drückte sein tiefes Bedauern über den Unfall aus und forderte eine rasche Aufklärung durch die zuständigen Behörden. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Die 1885 in Betrieb genommene Bahn gehört zu den bekanntesten Touristenattraktionen Lissabons. Das beliebte Verkehrsmittel verbindet die Innenstadt mit dem für sein Nachtleben bekannten Viertel Bairro Alto. Als eine von drei Standseilbahnen wird sie sowohl von Touristen als auch von Einheimischen genutzt.

Portugal und insbesondere Lissabon verzeichnen seit etwa zehn Jahren einen Tourismus-Boom, der in den Sommermonaten zu einem hohen Besucheraufkommen in der Innenstadt führt.