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Jugendproteste

Tirana in Flammen: Jugend kämpft gegen Premier und Perspektivlosigkeit

Tirana in Flammen: Jugend kämpft gegen Premier und Perspektivlosigkeit
FOTO: EPA
3 Min. Lesezeit |

Tirana brennt – und der Druck auf Albaniens Regierungschef wächst mit jedem Tag. Jugendliche, Korruptionsskandale und ein Premier, der nicht weicht.

In Albaniens Hauptstadt Tirana ist es am Sonntag, dem 18. Oktober 2026, am sechsten aufeinanderfolgenden Protesttag erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Vor dem Bildungsministerium warfen Demonstranten Steine auf Sicherheitskräfte. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein.

Die Protestierenden fordern bessere Bildungsbedingungen, finanzielle Unterstützung und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten. Hinzu kommen Korruptionsvorwürfe und die Forderung nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Schüler und Studierende haben sich einer breiteren regierungskritischen Bewegung angeschlossen, die bereits seit Monaten demonstriert.

Festnahmen und Vorwürfe gegen Polizisten

Während der jüngsten Protesttage wurden öffentliche Gebäude, Geschäfte und Fahrzeuge beschädigt oder in Brand gesetzt. Ein Teil der Demonstranten griff Sicherheitskräfte mit Steinen, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern an. Diese Gewalttaten sind nicht mit dem Verhalten sämtlicher Protestteilnehmer gleichzusetzen.

Nach Angaben der Polizei wurden während der ersten fünf Protesttage 167 Menschen festgenommen und 132 Polizeibeamte verletzt. Diese Zahlen beschreiben den bis Samstag gemeldeten Stand und sind keine abschließende Bilanz der Ereignisse vom Sonntag.

Auch das Vorgehen der Sicherheitskräfte wird untersucht: Sieben Polizeibeamte wurden wegen des Verdachts auf übermäßige Gewalt suspendiert. Polizeichef Skender Hita bestätigte zudem den Einsatz von Gummigeschossen.

Korruptionsvorwürfe belasten die Regierung

Zur Vorgeschichte der Protestbewegung gehört der Widerstand gegen ein umstrittenes Luxustourismusprojekt an der albanischen Küste mit Verbindung zu Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Inzwischen bündelt die Bewegung darüber hinausgehende Kritik an Regierung und wirtschaftlichen Perspektiven.

Zusätzlichen politischen Druck erzeugen Ermittlungen gegen die suspendierte Geheimdienstchefin Vlora Hyseni. Ein Gericht ordnete im September Hausarrest und ihre Suspendierung an. Laut der Sonderstaatsanwaltschaft SPAK geht es unter anderem um den Verdacht auf Offenlegung geheimer Informationen und Unterstützung eines Straftäters. Die Vorwürfe sind nicht rechtskräftig festgestellt; sie belegen auch keine persönliche Schuld Ramas.

Gesprächsangebot und abgesagtes Treffen in Wien

Rama weist die Rücktrittsforderungen zurück und hat Studierende zu Gesprächen eingeladen. Zugleich beschuldigt er nicht näher benannte ausländische Interessen, hinter der Eskalation zu stehen. Die EU-Kommission verurteilte die Gewalt und begrüßte die Zusicherung der Behörden, das Recht auf Protest zu schützen.

Die Krise hat auch Auswirkungen auf seinen Terminkalender: Rama sagte das für Montag, 19. Oktober, geplante Treffen mit Bundeskanzler Christian Stocker in Wien ab. Das bestätigte das österreichische Bundeskanzleramt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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KO KOSMO-Redaktion
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