Die finanzielle Belastung für Wohnungskäufer in Wien ist zwar leicht gesunken, bleibt aber weiterhin auf einem problematisch hohen Niveau. Aktuell müssen Käufer einer 90-Quadratmeter-Wohnung in der Hauptstadt 53 Prozent ihres Einkommens für die Kreditrate aufwenden – ein Rückgang gegenüber den vorherigen 61 Prozent, jedoch nach wie vor eine erhebliche finanzielle Hürde.
Dennoch zeigt eine aktuelle Erhebung des Gallup-Instituts, die im Auftrag von Raiffeisen Immobilien durchgeführt wurde, dass der Wunsch nach den eigenen vier Wänden in Österreich ungebrochen stark ist. Etwa zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) sehnen sich nach einem Einfamilienhaus, während weitere 22 Prozent eine Eigentumswohnung bevorzugen würden.
Finanzierungshürden
Für viele Österreicherinnen und Österreicher bleibt die Verwirklichung dieses Wunsches jedoch in weiter Ferne. Besonders die letzten drei Jahre stellten potenzielle Immobilienkäufer vor massive Finanzierungsprobleme: Im August 2022 trat mit der KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) ein strengeres Regelwerk für die Kreditvergabe in Kraft.
Fast zeitgleich begann die Zinswende, die zu einem rapiden Anstieg der Kreditzinsen führte.
Lockerung der KIM-Verordnung
Eine gewisse Entlastung könnte in Sicht sein: Die strenge KIM-Verordnung, die seit 2022 hohe Hürden für Immobilienkäufer aufbaute, läuft am 30. Juni 2025 aus. Dies würde Banken mehr Spielraum bei der Kreditvergabe ermöglichen – besonders für Käufer mit geringerem Eigenkapital oder unregelmäßigen Einkommensverhältnissen. Dennoch bleibt die Bonitätsprüfung ein zentrales Vergabekriterium.
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Österreichische Nationalbank (OeNB) arbeiten bereits an alternativen Regulierungsmodellen, darunter Leitlinien und kapitalbasierte Vorgaben, um die Stabilität des Kreditmarktes auch nach dem Auslaufen der Verordnung zu gewährleisten.
⇢ Neue Spielregeln bei Kreditvergabe: Finanzmarktaufsicht lockert Zügel
Verschärfte Angebotssituation
Parallel zur angespannten Finanzierungslage spitzt sich die Situation auf der Angebotsseite zu: Die Zahl der fertiggestellten Neubauten in Österreich ist deutlich rückläufig und wird für 2025 auf nur etwa 30.000 Einheiten prognostiziert. Besonders dramatisch ist der Einbruch bei freifinanzierten Eigentumswohnungen, deren Verfügbarkeit bis 2026 auf weniger als 1.800 Einheiten sinken könnte.
Verantwortlich für diese Entwicklung sind neben den Finanzierungsschwierigkeiten auch gestiegene Baukosten und komplexe gesetzliche Auflagen. Diese Faktoren verschärfen die Kluft zwischen dem Wohnungswunsch der Österreicherinnen und Österreicher und der tatsächlichen Finanzierbarkeit weiter.