Kinder im Visier, Täter im Netz: Ein neues Extremismusphänomen alarmiert Sicherheitsbehörden in ganz Europa.
Beim 7. Präventionsgipfel des Innenministeriums in Wien haben Sicherheitsexperten eindringlich vor einer neuen Bedrohungsform gewarnt: dem nihilistisch motivierten Extremismus, der gezielt über digitale Kanäle auf Kinder und Jugendliche abzielt und diese zu Selbstverletzung sowie Gewalthandlungen zu drängen versucht.
Wie DSN-Direktorin Sylvia Mayer darlegte, spielen sich diese Anstiftungen vor allem in einschlägigen Online-Communitys ab. Das Profil der Täter ist dabei auffallend homogen: 95 Prozent von ihnen sind männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 20 Jahren – während die Opfer im Schnitt erst 13 Jahre alt sind.
Politischer Handlungsbedarf
Innenminister Gerhard Karner, ÖVP, unterstrich die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs mit den Worten: „Kriminalität und Extremismus werden jünger und digitaler.“ Staatssekretär Jörg Leichtfried, SPÖ, ergänzte, dass die Verhinderung von Radikalisierung eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung sei: „Wir dürfen nicht mit den Kategorien von gestern auf die Bedrohungen von heute reagieren.“
Fall aus Hamburg
Wie weitreichend das Phänomen bereits ist, verdeutlicht ein aktueller Fall aus Hamburg: Ein 21-jähriger Mann steht dort wegen mehr als 200 im Internet begangener Straftaten vor Gericht – mit über 30 minderjährigen Opfern in Deutschland, England, Kanada und den USA.
Die DSN (Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst) sieht darin einen klaren Auftrag: „Wir müssen die Früherkennung stärker in den Online-Raum verschieben“, so Direktorin Mayer.