Eine Pizzabestellung als stiller Hilferuf und eine Polizistin, die zwischen den Zeilen liest. Der Fall aus Gelsenkirchen macht Schule.
Am frühen Morgen des 23. Juli ging bei der Polizei Gelsenkirchen ein Notruf ein, der auf den ersten Blick wenig mit einem Notfall gemein hatte: Eine 18-jährige Frau meldete sich und gab an, eine Pizza bestellen zu wollen. Tatsächlich steckte hinter dem Anruf ein verzweifelter Hilferuf – die junge Frau befand sich in einem Uber-Taxi und wurde von ihrem 35-jährigen Fahrer sexuell belästigt. Die diensthabende Beamtin durchschaute den Trick sofort.
Aufmerksame Beamtin
Die Polizistin schilderte später, was sie in jenem Moment wahrnahm: „Dass das Mädchen verzweifelt war. Ich überlegte sofort: Wenn sie so sprechen muss, kann sie nicht frei reden.“ Die 18-Jährige hatte im Gespräch unauffällig signalisiert, dass sie sich in einem Uber-Fahrzeug befinde und Unterstützung benötige.
Noch während die Leitung offen blieb, wurde ein Streifenwagen losgeschickt, der das Fahrzeug kurz darauf stellte. Der Fahrer wurde angezeigt, zunächst jedoch auf freien Fuß gesetzt – ein Strafverfahren ist eingeleitet.
Notruf richtig nutzen
Die Polizei weist darauf hin, dass ungewöhnliche oder scheinbar sinnlose Aussagen in einem Notrufgespräch auf eine ernste Bedrohungslage hindeuten können. Grundsätzlich gilt: Die Verbindung sollte so lange wie möglich aufrechterhalten werden. In Deutschland ist der Polizeinotruf unter der 110 erreichbar, der europaweite Notruf 112 funktioniert sowohl in Deutschland als auch in Österreich.
Die Polizistin, die den Anruf entgegennahm, brachte ihre Anerkennung im Gespräch mit dem „Spiegel“ auf den Punkt: „Dieses Mädchen hat so gut gehandelt.“