Singapur greift zu ungewöhnlichen Mitteln im Kampf gegen Tanktourismus: Wer die Grenze passieren will, muss seinen Tank zu drei Vierteln gefüllt haben.
In Singapur gilt eine der weltweit strengsten Regelungen für Autofahrer: Wer das Land verlassen will, muss seinen Tank zu mindestens 75 Prozent gefüllt haben. Diese ungewöhnliche Vorschrift hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund und zeigt, wie der Stadtstaat seine Grenzen kontrolliert.
Der Inselstaat ist bekannt für seine astronomischen Kosten beim Autobesitz. Wer in Singapur ein Fahrzeug sein Eigen nennen möchte, muss zunächst ein sogenanntes Certificate of Entitlement (COE) erwerben – eine Art Besitzlizenz, die allein rund 70.000 Euro kostet. Hinzu kommt die Additional Registration Fee (ARF), eine Registrierungsgebühr, die bis zu 320 Prozent des eigentlichen Fahrzeugwerts ausmachen kann. Rechnet man alle Abgaben zusammen, erreicht selbst ein Durchschnittsauto in Singapur schwindelerregende Preissummen.
Überraschenderweise sind die Treibstoffpreise mit etwa 1,90 Euro pro Liter vergleichsweise moderat – zumindest im europäischen Vergleich. Das Problem entsteht durch die geografische Nähe zu Malaysia, wo Kraftstoff für gerade einmal 40 Cent pro Liter zu haben ist. Da kein Punkt in Singapur weiter als 50 Kilometer von der malaysischen Grenze entfernt liegt, haben viele Autofahrer die naheliegende Lösung gefunden: Sie fahren mit fast leerem Tank über die Grenze und tanken dort zum Bruchteil des heimischen Preises.
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Drei-Viertel-Regel
Was in Europa längst gängige Praxis ist – das Tanken im günstigeren Nachbarland – hat in Singapur zu einer bemerkenswerten Gegenmaßnahme geführt. Die Regierung hat die sogenannte „Drei-Viertel-Regel“ eingeführt: Kein in Singapur zugelassenes Fahrzeug darf das Land verlassen, wenn der Tank nicht mindestens zu 75 Prozent gefüllt ist. Diese Regelung gilt für alle Kraftstoffarten – Benzin, Diesel und Erdgas.
Strenge Kontrollen
An den Grenzübergängen wird diese Vorschrift rigoros kontrolliert. Wer mit zu wenig Sprit im Tank erwischt wird, muss nicht nur eine saftige Strafe von umgerechnet rund 330 Euro zahlen, sondern wird auch zurückgeschickt, um in Singapur nachzutanken. Für manche Lenker sind diese Kontrollen überzogen, andere sehen darin nur die konsequente Fortsetzung der strengen Regulierungspolitik, für die der Stadtstaat bekannt ist.
Mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme unterstreicht Singapur einmal mehr seinen Ruf als Staat, in dem Infrastruktur, Ordnung und Regulierung höchste Priorität genießen.
Selbst wenn es nur um ein paar Liter Kraftstoff geht.