Während globale Krisen die Welt erschüttern, wachsen die Vermögen auf ein Rekordhoch von 269 Billionen Euro. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft dabei immer weiter auseinander.
Die Vermögen weltweit erreichen neue Rekordwerte und summieren sich auf 269 Billionen Euro – ein Plus von 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung trotz anhaltender globaler Krisen und kriegerischer Auseinandersetzungen stattfindet, während die Aktienmärkte weiterhin attraktive Renditen abwerfen.
Wie der aktuelle „Global Wealth Report“ der Allianz Versicherung aufzeigt, bleibt die Vermögensverteilung jedoch extrem unausgewogen. In den 57 untersuchten Ländern, die 91 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und 72 Prozent der globalen Bevölkerung repräsentieren, verfügen die wohlhabendsten zehn Prozent über rund 85 Prozent des gesamten Netto-Finanzvermögens.
Mit einem durchschnittlichen Netto-Geldvermögen von 75.760 Euro pro Kopf sichert sich Österreich Platz 17 im internationalen Ranking der vermögendsten Nationen. Auffällig ist jedoch der erhebliche Abstand zu den Spitzenreitern: US-Bürger verfügen dank ihres hohen Aktienanteils über das Vierfache des österreichischen Pro-Kopf-Vermögens. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Schweiz und Singapur.
Nordamerikas Dominanz
Die USA und der nordamerikanische Raum erwiesen sich 2024 als besonders dynamisch und generierten allein die Hälfte des weltweiten Zuwachses beim Finanzvermögen. Wertpapiere entwickelten sich dabei sowohl 2023 als auch 2024 deutlich stärker als Versicherungen, Renten oder Bankeinlagen – ihr Wert stieg nahezu doppelt so schnell.
Das Geldvermögen der Österreicher verzeichnete 2024 einen Anstieg von 5,4 Prozent, wobei Wertpapiere mit einem Zuwachs von 6,1 Prozent die stärkste Dynamik zeigten. Die traditionell hohe Sparneigung im Land trug wesentlich zu dieser Entwicklung bei – die Neuanlagen verdreifachten sich nahezu und erreichten etwa 30 Milliarden Euro.
Trotz des nominellen Wachstums liegt die Kaufkraft des österreichischen Geldvermögens weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Inflationsbereinigt wuchs das Vermögen 2024 lediglich um 2,4 Prozent. Positive Entwicklung zeigt sich hingegen bei den Verbindlichkeiten der Haushalte: Diese gingen das zweite Jahr in Folge zurück – 2024 um 0,5 Prozent.
Österreichs Sparverhalten
Daniel Matic, Vorstandsvorsitzender der Allianz Österreich, erklärt: „Nie zuvor haben die Österreicher mehr gespart. Auch die Spargewohnheiten haben sich ‚normalisiert‘ – die Hälfte aller Neuanlagen wurde wieder bei Banken angelegt.“ Auch Wertpapiere waren weiterhin beliebt und zogen ein Drittel der frischen Ersparnisse an. Dabei blieben die österreichischen Haushalte vor allem Anleihen treu: mehr als 60 Prozent der Wertpapierkäufe entfielen auf sie.“
Der Anteil der Wertpapiere am Portfolio österreichischer Haushalte lag 2024 bei 43 Prozent – ein beachtlicher Wert, der die zunehmende Bedeutung dieser Anlageklasse unterstreicht. Insgesamt flossen 34 Prozent der neuen Ersparnisse in Wertpapiere.
„Erfreulich ist für uns als Allianz, dass Versicherungsprodukte ein Comeback feierten. Nach fünf Jahren, in denen Gelder per Saldo aus dieser Wertpapierklassen abgezogen wurden, kam es 2024 erstmals wieder zu Nettokäufen“, fügt Matic hinzu. Mit 1,8 Milliarden Euro liegen diese Nettokäufe allerdings noch deutlich unter den Werten früherer Jahre.
Bezieht man den Immobilienbesitz in die Berechnung ein, verbessert sich Österreichs Position im internationalen Vergleich weiter – das Land rückt auf Rang 14 der vermögendsten Nationen vor.