Frankreich brennt und die Jugend steht an vorderster Front. Die Schulproteste eskalieren, und ein Ende ist nicht in Sicht.
Auch in dieser Woche reißen die Schülerproteste in Frankreich nicht ab. Seit der vergangenen Woche haben Schülervertretungen erneut zu landesweiten Demonstrationen aufgerufen, die vielerorts von Gewalt und Ausschreitungen begleitet werden. Rund 5.000 Festnahmen hat die Protestwelle bislang hinterlassen.
Die Jugendlichen verlangen mehr Lehrpersonal, ausreichende finanzielle Mittel für das Bildungssystem und grundlegende strukturelle Reformen – während die eskalierenden Unruhen das Land in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt haben.
Eskalation & Sachschäden
Die Ausschreitungen hinterließen erhebliche Sachschäden und forderten Verletzte unter Lehrern und Polizisten. Besonders drastisch war der Vorfall in Lens, wo einem 15-jährigen Schüler durch eine Polizeigranate die Hand abgerissen wurde.
Hinzu kommt, dass landesweit derzeit rund 2.000 Lehrerstellen unbesetzt sind – ein Umstand, der die Frustration unter den Protestierenden zusätzlich anheizt und den Unterricht in vielen Schulen zum Erliegen brachte.
Die Regierung in Paris steht unter wachsendem Druck. Premierminister Sébastien Lecornu bekräftigte die Notwendigkeit von Reformen im Bildungsbereich, um die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Gleichzeitig sieht sich die Regierung angesichts eines Haushaltsdefizits zu erheblichen Einsparungen gezwungen.
Bildungsminister Édouard Geffray äußerte Bedenken zur Sicherheitslage an den Schulen und kündigte an, dass im Großraum Paris vorsorglich 200 Gymnasien am Dienstag geschlossen bleiben sollen.
Politische Dimension
Die Protestbewegung hat längst eine politische Dimension erreicht, die weit über den Schulalltag hinausgeht. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen nutzen Oppositionspolitiker wie Jean-Luc Mélenchon von La France insoumise die Lage, um der Regierung „Repression“ vorzuwerfen.
Inzwischen haben sich auch Universitätsstudierende den Demonstrationen angeschlossen.
Hochschulminister Philippe Baptiste warnte vor einer weiteren Ausweitung der Proteste auf den Hochschulbereich und zeigte sich besorgt: „Was wir seit einer Woche sehen, ist beunruhigend und abscheulich.“ Die geplante Einführung neuer Studiengebühren sowie die allgemeine Sparpolitik der Regierung verschärfen die ohnehin angespannte Stimmung weiter.
Gewerkschaftschefin Sophie Binet von der CGT stellte sich klar auf die Seite der Protestierenden: „Die CGT wird da sein, um die Schülerinnen und Schüler zu schützen. Wir sind empört über die beispiellose Repression durch die Regierung.“