Ein Cockpit, eine Rettungshacke, ein Co-Pilot mit mutmaßlich tödlichen Absichten – an Bord eines Linienflugs eskaliert eine Situation mit geopolitischen Folgen.
Auf dem Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv hat sich ein Vorfall ereignet, den die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate inzwischen als versuchten Terrorakt einstuft. Der Co-Pilot soll den Kapitän im Cockpit mit einer Rettungshacke angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und die Maschine zum Absturz zu bringen. Nach Angaben israelischer Ermittler soll sein Ziel der Flughafen Ben Gurion gewesen sein.
Dem verletzten Kapitän gelang es, die Cockpittür zu öffnen. Passagiere und Besatzungsmitglieder überwältigten daraufhin den Angreifer. Ein an Bord befindlicher Reservepilot brachte das Flugzeug schließlich sicher im saudi-arabischen Tabuk zur Landung. Dort wurde der Co-Pilot zunächst festgehalten und später in die Vereinigten Arabischen Emirate überstellt, wo sich der Verdächtige inzwischen in Gewahrsam befindet.
Ermittlungen laufen
Die Ermittlungen werden von den Vereinigten Arabischen Emiraten geführt, auch israelische und weitere internationale Behörden befassen sich mit dem Fall. Der Generalstaatsanwalt der VAE erklärte, dass die vollständigen Umstände, die Motive und mögliche Verbindungen des Verdächtigen weiterhin untersucht sowie technische, physische und digitale Beweise ausgewertet werden. Die endgültigen Ergebnisse sollen nach Abschluss der Verfahren veröffentlicht werden.
Der Co-Pilot wurde von mehreren mit den Ermittlungen vertrauten Quellen als omanischer Staatsbürger identifiziert. Ob er tatsächlich allein handelte oder Verbindungen zu anderen Personen oder Organisationen bestanden, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. US-Präsident Donald Trump äußerte den Verdacht einer möglichen iranischen Beteiligung. Öffentlich bekannte Belege für eine Verbindung zum Iran liegen bislang jedoch nicht vor.
Brisant ist zudem die Vorgeschichte des Verdächtigen: Nach übereinstimmenden Medienberichten war er zuvor bei Oman Air wegen Bedenken hinsichtlich extremistischer Ansichten aus dem Flugbetrieb genommen worden. Berichten zufolge verlor er später seine Stelle bei der omanischen Fluggesellschaft. Die Ermittler untersuchen nun auch, wie er anschließend bei Flydubai beschäftigt werden und auf Flügen nach Israel eingesetzt werden konnte.
Geopolitische Dimensionen
Der Vorfall hat inzwischen auch politische und sicherheitspolitische Folgen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, der Co-Pilot habe eine „islamistische radikale Indoktrinierung“ durchlaufen. Belege für diese Einschätzung legte er öffentlich zunächst nicht vor. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel arbeiten bei der Aufklärung zusammen, während die Ermittler weiterhin prüfen, ob hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch weitere Personen oder Organisationen standen.