Abgehörte Telefonate enthüllen Moskaus Doppelspiel: Während der Kreml jede Beteiligung am US-Friedensplan für die Ukraine dementierte, arbeiteten Putins Berater intensiv daran mit.
Die Veröffentlichung abgehörter Telefonate von Putins Berater Jurij Uschakow durch die Nachrichtenagentur Bloomberg sorgt für erhebliche diplomatische Turbulenzen. Die Mitschriften legen nahe, dass der Kreml wesentlich intensiver an der Ausarbeitung des US-Friedensplans für die Ukraine beteiligt war als bisher zugegeben.
Die im Oktober datierten Protokolle dokumentieren zwei brisante Gespräche: Eines zwischen Uschakow und Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff, in dem Letzterer Empfehlungen zum Umgang mit dem künftigen US-Präsidenten gibt. In einem zweiten Telefonat mit Putins Berater Kirill Dmitriew, der als Verbindungsmann zum Trump-Team fungiert, spricht Uschakow davon, einen russischen Vorschlag für einen Friedensplan einzubringen, um „das Maximum herauszuholen“.
Zunächst behauptete man, das Dokument nicht zu kennen, später bezeichnete Putin es als überarbeitete Version eines früheren Trump-Vorschlags aus Alaska. Kremlsprecher Peskow versicherte, das Papier sei nicht spezifisch mit Moskau koordiniert worden.
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Kreml-Reaktionen
Mit der Veröffentlichung der Abhörprotokolle steht der Kreml vor einem doppelten Dilemma: Nicht nur wurden hochrangige Regierungsvertreter abgehört – die Mitschnitte gelangten zudem an internationale Medien. In einer ersten Reaktion im Fernsehsender Rossija 1 räumte Uschakow ein, dass die Abhöraktion nicht von russischer Seite durchgeführt worden sei, ohne jedoch die Authentizität der Gespräche zu bestätigen. Er erwähnte lediglich, dass er „viele Gespräche mit Witkoff“ führe.
Deutlicher wurde der Putin-Berater später im Interview mit der Zeitung Kommersant. Er gab zu, möglicherweise WhatsApp für die Kommunikation genutzt zu haben. „Es gibt geschützte Kommunikationskanäle, bei denen keine Lecks vorkommen“, erklärte er. „Und es gibt einige Gespräche über WhatsApp, die offenbar jemand auf irgendeine Weise mithören kann.“
Besonders pikant: WhatsApp ist in Russland seit Monaten offiziell blockiert, als extremistisch eingestuft und nur über VPN-Verbindungen zugänglich. Dennoch nutzen offenbar zahlreiche Kremlmitarbeiter und Ministerien die Anwendung weiterhin.
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Internationale Spekulationen
Die Herkunft der Mitschnitte bleibt ungeklärt. Der Politologe Wladimir Pastuchow vermutet europäische Akteure hinter der Veröffentlichung: „Moskau braucht keine Eigenwerbung, Washington keine Anti-Werbung. Kyjiw verfügt kaum über die technischen Möglichkeiten, Peking ist nicht beteiligt. Bleibt Europa.“
Kremlsprecher Peskow bemühte sich, die Bedeutung der Veröffentlichungen herunterzuspielen. In den Protokollen sei „nichts Schlimmes“ zu finden, zudem sei unklar, „ob sie wahr sind oder nicht“. Gleichzeitig verteidigte er Trumps Gesandten Witkoff und behauptete, die Kritik an ihm ziele darauf ab, „die bislang noch bescheidenen Tendenzen zu einer Lösung durch Friedensverhandlungen zu torpedieren“.
Dmitriew machte seinerseits „die Kriegstreiber“ für die Enthüllungen verantwortlich – eine Formulierung, mit der aus russischer Perspektive vor allem europäische Unterstützer der Ukraine gemeint sind.
Putin selbst äußerte sich aus Kirgisistan, wo er offiziellen Terminen nachging, nur knapp zu der Angelegenheit. Er betonte, dass in der Trump-Regierung Verständnis dafür herrsche, dass die Ukraine-Frage komplex sei und schwierige Lösungen erfordere – eine Aussage, die durchaus als Lob interpretiert werden kann.
Für die kommende Woche ist bereits der nächste Schritt geplant: Putin erwartet erneut Witkoff in Moskau. Dort soll eine überarbeitete, auf 22 Punkte reduzierte Fassung des Friedensplans diskutiert werden, die in Genf ausgehandelt wurde und ukrainische Positionen stärker berücksichtigen soll.
Ob Putin dieser Version zustimmen wird, bleibt abzuwarten.