Hunderte Tote, eine zerstörte Schule – und niemand will es gewesen sein. Der Vorfall im Iran wirft schwere Fragen auf.
Im Süden des Iran ist eine Mädchenschule zerstört worden. Nach Angaben iranischer Stellen kamen bei dem Angriff auf eine Schule in Minab, Provinz Hormozgan, am Samstagmorgen mindestens 168 Schülerinnen im Alter von sieben bis zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Elternteile ums Leben. Eine unabhängige Überprüfung dieser Zahlen ist nicht möglich.
Die ersten Meldungen über das Bombardement gingen vom iranischen Staatsfunk aus, der der direkten Kontrolle des Regimes untersteht. Da unabhängige Journalistinnen und Journalisten keinen Zugang zum Ort des Geschehens erhalten haben, gestaltet sich die Aufklärung des Vorfalls ausgesprochen schwierig. Auch auf Waffenfragmente, die Rückschlüsse auf die Herkunft des Angriffs erlauben würden, gibt es laut einem Bericht der „New York Times“ bislang keine Hinweise.
Ungeklärte Verantwortung
Wie die „New York Times“ berichtet, dürfte die Schule im Zuge von US-Militärschlägen auf eine in unmittelbarer Nähe gelegene Militäranlage getroffen worden sein. Eine Auswertung von Satellitenbildern, verifizierten Videoaufnahmen und Beiträgen in sozialen Netzwerken habe ergeben, dass das Schulgebäude durch einen gezielten Schlag zerstört wurde, der zeitgleich mit Angriffen auf einen benachbarten Marinestützpunkt der Iranischen Revolutionsgarden erfolgte. Eine definitive Feststellung, dass der Angriff tatsächlich von US-Streitkräften ausgeführt wurde, trifft die „New York Times“ in ihrem Bericht allerdings nicht.
Auf die Frage, ob das US-Militär für den Vorfall verantwortlich sei, antwortete Trumps Sprecherin Karoline Leavitt: „Nicht, dass wir wüssten.“ US-Kriegsminister Pete Hegseth kündigte eine entsprechende Untersuchung an. „Wir greifen natürlich niemals zivile Ziele an“, sagte er bei einer Pressekonferenz zur US-Militäroperation gegen den Iran.
Gleichzeitig übte Hegseth Kritik an der medialen Berichterstattung über derartige Vorfälle. Alles laufe erfolgreich und zielgerichtet ab, „aber wenn ein paar Drohnen durchkommen oder tragische Dinge passieren, ist das eine Schlagzeile auf Seite eins“, sagte er mit Blick auf den Iran.
Internationale Reaktionen
Vertreter des israelischen Militärs erklärten, ihnen seien zum fraglichen Zeitpunkt keine Angriffe in der Region bekannt gewesen. Auch sie wollten die Berichte einer Prüfung unterziehen. Das UN-Menschenrechtsbüro hatte bereits am Dienstag eine umfassende Untersuchung des Vorfalls gefordert.
Die USA führen seit mehreren Tagen Luftangriffe gegen militärische Ziele im Iran durch. Ziel der Operation ist es nach Angaben der Regierung, Irans Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie militärische Infrastruktur zu zerstören.