Zwei Wochen vor dem WM-Anpfiff gerät die FIFA unter juristischen Druck – und schweigt.
Kaum hatte Donald Trump seinen kurzen Exkurs über die Begrifflichkeiten von „Soccer“ und „Football“ beendet – begleitet von ein paar ausladenden Armbewegungen –, schon ließ er die unbequemen Fragen rund um den drohenden Ticket-Skandal vor der Fußball-WM unbeantwortet im Raum stehen. Doch die Justiz lässt sich nicht so leicht abschütteln: Die Generalstaatsanwaltschaften von New York und New Jersey haben eine Untersuchung „zu den Ticketverkaufspraktiken“ des Weltverbands eingeleitet.
Anlass sind rasant „explodierende Preise“ sowie Berichte, wonach Fans über die Lage ihrer Sitzplätze getäuscht wurden – so die Staatsanwältinnen Letitia James und Jennifer Davenport. Letztere ist entschlossen, „eine gründliche Untersuchung des Verhaltens der FIFA durchzuführen“, da der Weltverband den WM-Ticketverkauf in „einen Spießrutenlauf aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und unmöglich hohen Preisen verwandelt“ habe. Die FIFA selbst ließ eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP unbeantwortet.
Ermittlungen ausgeweitet
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Vorwürfe, wonach Käufer systematisch über ihre Sitzplatzkategorien im Unklaren gelassen und durch ein aggressives, nachfrageorientiertes Preismodell benachteiligt wurden – ein Modell, bei dem die Ticketpreise mit steigenden Verkaufszahlen automatisch anziehen. Besonderes Augenmerk gilt dem Finale im MetLife-Stadion in East Rutherford, New Jersey, unweit von New York. Insgesamt acht WM-Partien werden in der Heimspielstätte der NFL-Franchises New York Giants und Jets ausgetragen.
Wer aus Manhattan anreist, zahlt für öffentliche Verkehrsmittel bereits knapp 100 Dollar – ein Parkplatz schlägt sogar mit 225 Dollar zu Buche. Auch Kalifornien prüft mittlerweile den Verdacht auf Ticket-Wucher im Rahmen des Turniers.
Infantinos Verteidigung
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte die Preisgestaltung erst Anfang des Monats verteidigt. „Wir müssen den Markt betrachten – wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden“, sagte er. Bereits Monate zuvor hatte die Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) die „Wucher“-Preise des XXL-Turniers scharf kritisiert und Ende März eine formelle Beschwerde gegen die FIFA bei der Europäischen Kommission eingereicht.
Klare Worte kamen auch von Staatsanwältin James: „Die New Yorker haben jahrelang darauf gewartet, dass die Weltmeisterschaft in ihre Nachbarschaft kommt, und sie verdienen eine faire Chance auf erschwingliche Tickets. Niemand sollte dazu manipuliert werden, horrend hohe Preise für Sitzplätze zu zahlen, und Fans sollten darauf vertrauen können, dass sie die Tickets erhalten, die sie gekauft haben.“
Die WM-Endrunde sei die „erfolgreichste, die sie je hatten“ – gemessen daran, wie schnell sich die Tickets verkaufen ließen. Doch nun hat die FIFA, knapp zwei Wochen vor dem Anpfiff der Endrunde am 11. Juni bis zum Finale am 19. Juli, handfesten juristischen Ärger am Hals.