Arbeiter sollen mindestens 25 Tage kein Tageslicht gesehen haben – in Slowenien ermitteln die Behörden wegen einer illegalen Zigarettenfabrik und Menschenhandels.
Die slowenische Finanzverwaltung FURS hat am 13. Oktober 2026 im Nordosten des Landes eine vollständig ausgestattete illegale Produktionsstätte für gefälschte Zigaretten entdeckt. Nach Angaben der slowenischen Polizeigeneraldirektion handelt es sich um die bislang größte in Slowenien aufgedeckte illegale Zigarettenproduktion.
Nach Recherchen der Zeitung „Slovenske novice“ befand sich die Fabrik in einer Industriehalle in Trimlini bei Lendava, unweit des Grenzübergangs Petišovci zu Kroatien. Mindestens 20 ausländische Arbeitskräfte sollen dort gearbeitet und gelebt haben. Die genaue Lage des Betriebs und die Zahl der Betroffenen wurden von den Behörden zunächst nicht öffentlich bekannt gegeben.
Opfer des Menschenhandels
Die Polizei bestätigte, dass unter den in der Produktionsstätte angetroffenen ausländischen Staatsangehörigen Opfer von Menschenhandel sind. Laut „Slovenske novice“ sollen die Arbeitskräfte aus Paraguay stammen und von einer kriminellen Vereinigung ausgebeutet worden sein. Den Ermittlern sollen sie berichtet haben, mindestens 25 Tage kein Tageslicht gesehen zu haben. Geschlafen hätten sie in der Halle, Lebensmittel seien nachts geliefert worden. Diese Einzelheiten sind bislang nicht öffentlich behördlich bestätigt.
Nach einer ersten Einschätzung der Behörden könnte der Schaden für den slowenischen Staatshaushalt mehrere Millionen Euro betragen. Davon zu unterscheiden ist der Wert der sichergestellten Waren: „Slovenske novice“ nennt unter Berufung auf inoffizielle Informationen einen Warenwert von rund 30 Millionen Euro. Eine behördliche Bestätigung dieser Summe sowie genaue Angaben zu den sichergestellten Mengen standen zunächst aus.
Das Nationale Ermittlungsbüro NPU führt unter Leitung der spezialisierten Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der illegalen Herstellung gefälschter Zigaretten und des Menschenhandels. Die Ermittler sind an mehreren Orten tätig und arbeiten auch mit Nichtregierungsorganisationen zusammen. Weitere Informationen kündigte die Polizei für Anfang der kommenden Woche an.