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ALBANIEN

Balkan Stories: Die Busse sterben am Balkan aus

Balkan Stories: Die Busse sterben am Balkan aus
(FOTO: Balkan Stories)
9 Min. Lesezeit |

Der – inoffizielle – Personennahverkehr von Lezha

„Von der Stadt zu mir gibt es nur Minibusse“, erklärt mir Mira. Sie hat nach dem Ende des Enver Hoxha-Regimes lange in Großbritannien gelebt und spricht fließend Englisch. „Aber die fahren jetzt um die Mittagszeit nicht. Es ist einfach zu heiß“.

Diese Minibusse sind der inoffizielle städtische Verkehr von Lezha.

Sie verbinden die Kleinstadt ein paar Kilometer von der Küste entfernt mit den Vororten an der Adria.

Das ist nicht nur wegen der zahlreichen Touristen während des Sommers sondern auch wegen der Leute, die in der Stadt arbeiten oder etwas einkaufen. Während der Schulzeit bringen sie die Kinder in die Schule.

(FOTO: Balkan Stories)

Am übernächsten Tag bringt mich Mira in der Früh zur nächsten Abfahrstelle eines der Minibusse.

Die ist auf einem kleinen Parkplatz vor einer Bäckerei und einer Apotheke.

Es gibt keinerlei Schilder oder sonstige Hinweise, dass das eine Bushaltestelle ist.

Die Minibusse sind auch nur dadurch als Shuttle erkennbar, dass sie eben, nun ja, Minibusse sind.

Mira organisiert mir die Nummer eines der Fahrer. Der fährt ab dem frühen Nachmittag wieder die Route nach Rile-Tale ab.

„Aber am besten rufst du ihn 15 oder 20 Minuten an, bevor du fahren willst, damit du nachfragen kannst, ob er auch wirklich fährt. Irgendwer in der Umgebung wird schon Englisch sprechen.“

Selbstverständlich ist unser Minibus ein Mercedes. Wie alle Minibusse im Minibus-Verkehr von Lezha, ausnahmslos.

Unserer hat knapp 440.000 Kilometer drauf.

Irgendwo auf der Strecke stehen ein paar Leute. Der Bus bleibt stehen und nimmt sie auf.

Die Tür öffnet und schließt er mithilfe eines nachträglich eingebauten Elektromotors.

Zeitweise sind wir 18 Leute im Bus, Fahrer inklusive. Die Letztgekommenen stehen zwischen den Sitzreihen und der Tür.

Eine Fahrt in eine Richtung kostet 150 Lek, das sind etwa 1,50 Euro.

Das ist für diese kurze Strecke und für albanische Einkommensverhältnisse ein stolzer Preis.

Rechnung oder Fahrkarte gibt es keine.

Man muss nicht zwingend davon ausgehen, dass die Minibusse von der Stadt Lezha oder von sonstwem eine Konzession haben, Passagiere im städtischen Verkehr zu befördern.

Der lokale Busbahnhof von Lezha ist ein Schotterparkplatz mit gerade genug Platz für sechs Mercedes-Minibusse.

Schilder, die ihn als lokalen Busbahnhof ausweisen würde, gibt es keine.

Der Busbahnhof Richtung Shkoder liegt am anderen Ende des Stadtzentrums, am Stadion vorbei.

Von dort fahre ich morgen nach Ulcinj in Montenegro weiter.

Glücklicherweise finde ich rechtzeitig heraus, dass das zwei verschiedene Busbahnhöfe sind.

Wobei, Busbahnhof ist auch für die Linie nach Shkoder etwas übertrieben.

Es ist ein Schotterstreifen neben der Hauptdurchzugsstraße von Shkoder nach Tirana beziehungsweise umgekehrt.

(FOTO: Balkan Stories)

Wenigstens gibt es hier ein Schild, das anzeigt, dass man von hier nach Shkoder fahren kann.

Um die Sache unterhaltsamer zu machen, hat die Kleinstadt Lezha auch einen zentralen Busbahnhof. Der ist zwei Minuten vom Shkodrer Busbahnhof entfernt, allerdings nicht wirklich gekennzeichnet.

Es wäre langweilig, wenn alles einfach wäre.

Aber immerhin: Ein Blick auf das, was wir hier höflicherweise als Shkodrer Busbahnhof beschreiben, beschert mir die Gewissheit: Mein morgiger Bus nordwärts wird ein Mercedes sein.

Es gibt Dinge, auf die kann man sich in Albanien verlassen.

Der Titel ist ein Zitat aus Selmas Beschreibung ihrer Busreise von Sarajevo nach Tirana und der Zustände des albanischen Busverkehrs.

Balkan Stories, Christoph Baumgarten

Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.

Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.

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KO KOSMO-Redaktion
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