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Corona-positiv: „Kann nichts riechen, kann nichts schmecken“

(FOTO: KOSMO/Helene Neuwirth, iStockphoto)

Corona ist in aller Munde. Alle Medien berichten darüber und trotzdem fühlt es sich meilenweit entfernt an. Doch eine unserer KOSMO-Redakteurinnen ist tatsächlich an COVID-19 erkrankt und berichtet in drei Teilen von ihren Erfahrungen.

Habt ihr gewusst, dass weder Husten noch Fieber das häufigste Symptom bei einer Coronavirus-Erkrankung sind? Tatsächlich fanden Forscher des University College London in einer Studie heraus, dass 78 Prozent der Infizierten an plötzlichem Geruchs- und Geschmacksverlust leiden. Bei 40 Prozent ihrer Probanden war dies sogar das alleinige Symptom – sie hatten weder Husten noch Fieber. Und auch an mir ist dieser Kelch nicht vorübergegangen! Rückblickend betrachtet, war es eigentlich sogar ziemlich naiv zu hoffen, dass ich eher zu den 22 Prozent gehöre, als zu den 78 Prozent. Aber die gute Nachricht: Dank meines netten „Souvenirs“ meiner COVID-19-Erkrankung, werdet auch ihr nach diesem Beitrag wissen, wie sich das anfühlt ohne es hoffentlich jemals selbst erleben zu müssen!

Aber zunächst ein kurzer Rückblick: Ich bin KOSMO-Redakteurin und jetzt auch eine offizielle Zahl in der Corona-Statistik von Österreichs Infizierten. In meinem Blog will ich euch so nahe wie möglich an meiner COVID-19-Erkrankung mitzunehmen, um das Virus „greifbarer“ für euch zu machen. Aber auch, um hoffentlich noch die letzten Zweifler dazu zu bewegen zumindest ein BISSCHEN rücksichtsvoller gegenüber anderen Mitmenschen zu sein. Denn es ist nicht nur eine Floskel: Es kann uns wirklich alle treffen – das musste ich am eigenen Leib erfahren! Wenn ihr meine ersten beiden Beiträge verpasst habt, könnt ihr sie hier nachlesen: „Ja, ich bin Corona-positiv“ und „Ja, ich bin Corona-positiv. Aber was ist mit den anderen?“

Meine Quarantänezeit ist mittlerweile vorbei, doch ein kleines Andenken an meine COVID-19-Erkrankung ist mir geblieben: Ich durfte nämlich auch erfahren, wie es ist, wenn man von einem Moment auf den anderen plötzlich nichts mehr riecht oder schmeckt. Und da ich euch versprochen habe, euch so viel wie möglich an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen, werde ich versuchen euch in diesem Blog-Beitrag zu schildern, wie sich so ein Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn anfühlt…

Zunächst einmal: Ich weiß nicht, wie es bei anderen Menschen ist, aber bei mir – und auch bei meinem Freund – passierte es plötzlich, unerwartet und erst nach ein paar Tagen. Davor hatten wir beide Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen und waren immer wieder ohne Grund endlos erschöpft. Und damit meine ich wirklich erschöpft á la: Ich gehe um 20 Uhr schlafen, weil ich die Augen nicht mehr offenhalten kann, wache dann nach 13 Stunden Tiefschlaf auf und bin eine Stunde später wieder todmüde – wahrscheinlich, weil das Kauen und Schlucken meines Müslis wesentlich anstrengender ist, als ich es in Erinnerung hatte. Aber zu dem Zeitpunkt, konnte ich mein Müsli zumindest noch schmecken…

Am Freitag, den 13. November zeigten mein Freund und ich die ersten Corona-Symptome. Fünf Tage danach setzte der Geschmacks- und Geruchsverlust ein: Wir waren gerade dabei ein selbstgemachtes Curry meines Vaters aufzuwärmen, das meine Mutter extra vorbeigefahren und vor meiner geschlossenen Wohnungstüre abgestellt hatte. „Wenn wir schon eingesperrt sind und nicht raus dürfen, dann gönnen wir uns wenigstens gutes Essen“ witzelte ich mit meinem Freund.

Schon während ich das Curry aufwärmte, fiel mir auf, dass ich es nicht wirklich riechen konnte, ich verbuchte das jedoch als „lästige Nebenwirkung“ meiner verstopften Nase. Doch beim ersten Löffel, den ich mir in gespannter Vorfreude in den Mund schob, musste ich feststellen: Ich schmeckte absolut nichts. Erschrocken wandte ich mich zu meinem Freund: „Schmeckst du das Curry?“ Er schüttelte den Kopf: „Nicht wirklich.“ Na großartig! Essen war für mich immer etwas Beruhigendes, Entspannendes gewesen. Aber an Gemüse unterschiedlicher Form und Konsistenz herumzukauen, das sich langsam zu einer geschmacklosen Pampe in meinem Mund verteilte, war absolut gar nichts entspannend!

Schockiert musste ich feststellen, dass der Curry-Vorfall kein unglücklicher Einzelfall gewesen ist und ich mich jetzt auch noch mit dem Ausfall gleich zwei meiner Sinne herumschlagen musste! In den nächsten Tagen irrte ich durch meine Wohnung, auf der verzweifelten Suche nach Gerüchen, oder besser gesagt irgendeines Geruchs. Unbeholfen versuchte ich an allem Möglichen zu riechen und den Geruch mit voller Kraft in meine Nase aufzusaugen. Doch egal ob Kerzen, Zimt, Knoblauch oder Schweißfüße, ich roch absolut null, nada. Man hätte mir wahrscheinlich sogar Buttersäure unter die Nase halten können, es wäre nichts passiert. So fühlt sich Geruchsverlust an:  Man bekommt gut Luft durch die Nase, nicht wie bei einer Verkühlung, wenn die Nase verstopft ist. Doch wenn man versucht einen Duft wahrzunehmen, ist es so, als ob man einfach nur die geruchslose Luft einsaugen würde.

„Man hätte mir wahrscheinlich sogar Buttersäure unter die Nase halten können, es wäre nichts passiert.“

Doch was noch viel schlimmer als der Geruchsverlust für mich war, war der Geschmacksverlust. Vielleicht haben einige von euch schon einmal einen Magen-Darm-Virus gehabt? Oft lautet dann die Zauberformel: Schonkost. Und das ist – wie die meisten von euch wissen dürften – geschmacklich nicht besonders aufregend. Man möchte fast sagen unerträglich langweilig. Aber wisst ihr was: In den letzten Tagen hätte ich mir gewünscht, dass ich so viel schmecke, wie ich es bei Schonkost tun würde. Denn Corona-bedingte Geschmacklosigkeit ist noch viel schlimmer. Das einzige was ich sagen konnte, war, ob ich etwas Süßes, Salziges oder Fettiges im Mund hatte. Pommes wurden mein Lieblingsgericht, denn die sind salzig und fettig. Aber der Kartoffelgeschmack zum Beispiel fehlte komplett

Um in unserer Isolation nicht komplett durchzudrehen, und weil uns Essen beiden viel bedeutet, legten mein Freund und ich uns eine Strategie zurecht: Wenn wir schon nichts schmecken oder riechen konnten, dann sollte unser Essen zumindest irgendeine interessante Konsistenz haben, damit wenigstens unser Tastsinn etwas zu tun hat. Mais beispielsweise platzte so schön zwischen den Zähnen, wenn man reinbiss; Brokkoli-Röschen kitzelten mit ihrem laubartigen Kopf auf der Zunge; Popcorn war uneben und zuerst knusprig und dann eine weiche kompakte Masse… So hantelten wir uns langsam mit unterschiedlichen Essens-Texturen vor und hatten zumindest wieder ein bisschen Spaß am Essen.

Ihr könnt euch nach diesem kurzen Einblick vermutlich meine Erleichterung vorstellen, als ich eines Tages bemerkte, dass mein Geruchs- und Geschmackssinn langsam wieder zurückkamen. Zunächst konnte ich nur ein wenig riechen und schmecken. Das erste, was ich wieder riechen konnte waren mein Deo und der Klospray. Doch dann wurde es immer mehr und mittlerweile sind beide Sinne wieder komplett da und voll im Einsatz.

Bei manchen Menschen dauert es leider allerdings viel länger bis ihr Geruchs- und Geschmackssinn wieder da ist. Für diejenigen unter euch, auf die das zutrifft, habe ich einen Tipp. Meine HNO-Ärztin gab ihn vor Jahren einmal meiner Mutter, als sie krankheitsbedingt ebenfalls nichts riechen konnte: Trainiert jeden Tag eure Nase, oder besser gesagt euren Geruchssinn. Riecht an möglichst intensiven Dingen, wie Waschmittel, Knoblauch oder Zimt, damit die Gerüche eurem Gehirn im Gedächtnis bleiben, auch wenn ihr selbst sie zu dem Zeitpunkt nicht wirklich wahrnehmen könnt.

Und das Wichtigste, was ich aus der ganzen Geschichte mitgenommen habe – und hoffentlich auch an euch weitergeben konnte: Seid rücksichtsvoll und achtet auf eure Mitmenschen, denn es ist nicht nur eine Floskel: Es kann uns wirklich alle treffen.