Ölgeschäft unter Druck: Während Serbiens einzige Raffinerie stillsteht, buhlen die Emirate um die russischen Anteile – doch Moskau zögert trotz US-Sanktionen.
Die staatliche Energiegesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, Adnoc, steht als Hauptinteressent für die Übernahme der russischen Mehrheitsbeteiligung an Serbiens einziger Ölraffinerie bereit. Belgrad zeigt sich zunehmend verärgert über die Verzögerungstaktik Moskaus, die durch US-Sanktionen ausgelöst wurde. Nach Informationen der Financial Times gilt die Nationale Ölgesellschaft von Abu Dhabi als Favorit für die Übernahme der Anteile an der Erdölindustrie Serbiens (NIS). Parallel dazu führt das serbische Unternehmen jedoch weiterhin Gespräche mit anderen potenziellen Käufern, darunter der ungarische Energiekonzern MOL.
Die Zukunft von NIS schwebt seit Jänner in der Ungewissheit, als das Unternehmen ins Visier amerikanischer Sanktionen gegen Russland geriet. Das US-Finanzministerium forderte die russischen Eigentümer zum Verkauf ihrer Anteile auf, um Russlands Öleinnahmen zu beschneiden. Die Lage spitzte sich dramatisch zu, als Washington die Ausnahmegenehmigungen für den Betrieb nicht verlängerte, was vergangenen Freitag zur kompletten Einstellung der Ölproduktion führte. Die Eigentümerstruktur von NIS, das den Großteil der Erdölprodukte in Serbien liefert, teilt sich auf: 56 Prozent gehören zwei Gazprom-Töchtern, hauptsächlich Gazprom Neft, etwa 30 Prozent hält die serbische Regierung, der Rest verteilt sich auf Kleinaktionäre.
Belastete Beziehungen
Die Sanktionen haben das Verhältnis zwischen den Anteilseignern merklich belastet. Serbische Regierungsvertreter reagieren zunehmend gereizt auf die russischen Miteigentümer, die eine Verkaufslösung durch ständige Verzögerungen blockieren. „Es wirkte, als wären sie bis zur allerletzten Minute nicht verhandlungsbereit, obwohl es weder an Kaufinteressenten noch an Zeit für eine Einigung mangelte“, erklärte ein Insider. Erst in den vergangenen Wochen zeichnete sich ein Umdenken ab. Dennoch bezweifeln Quellen aus serbischen Führungskreisen, ob die russische Seite tatsächlich verkaufen will.
Der genaue Wert des möglichen Deals bleibt unklar. NIS beziffert in seinem jüngsten Bericht für 2024 die Unternehmenswerte auf 4,7 Milliarden Dollar, wovon etwa 2,6 Milliarden auf den russischen Anteil entfallen. In einer Stellungnahme vom 3. Dezember betonte Gazprom Neft lediglich, dass NIS „mit voller Unterstützung der serbischen Regierung“ operiere und beschrieb die Zusammenarbeit als „konstruktiv“ – ohne einen möglichen Verkauf zu erwähnen. Das Interesse von Adnoc basiert weniger auf strategischen oder geschäftlichen Erwägungen, sondern vielmehr auf den engen Beziehungen zwischen den VAE und Serbien, wie ein Eingeweihter berichtet.
Vucics Ultimatum
Adnoc hat im vergangenen Jahr versucht, über seine Tochtergesellschaft XRG internationale Geschäfte im Wert von rund 40 Milliarden Dollar abzuschließen, um ein globales Portfolio in den Bereichen Chemie, Gas und kohlenstoffarme Technologien aufzubauen. Ein mögliches Engagement bei NIS würde jedoch, falls es zustande kommt, über das Hauptunternehmen und nicht über XRG abgewickelt werden. Serbien würde den russischen Anteil am liebsten selbst übernehmen, stößt dabei aber auf Widerstand der russischen Miteigentümer, die ungern an Belgrad verkaufen möchten. Eine Verstaatlichung scheidet für die serbische Regierung aus, da sie negative Reaktionen in der Öffentlichkeit befürchtet.
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, der als Verbündeter des Kremls gilt, hat Gazprom Neft ein Ultimatum bis Mitte Jänner gesetzt: Entweder verkauft der Konzern seinen Anteil, oder er muss mit einer Übernahme unter staatliche Verwaltung rechnen. Gleichzeitig betonte Vucic im vergangenen Monat, dass Serbien „um jeden Preis eine Verstaatlichung und Beschlagnahme von Eigentum vermeiden“ wolle. Falls eine Einigung mit einem ausländischen Investor scheitert, sei Belgrad bereit, einen höheren Preis für den russischen Anteil zu zahlen. Ähnliche Probleme treffen auch Serbiens Nachbarländer, seit Washington im Oktober separate Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft verhängt hat. Lukoil besitzt wichtige Raffinerien in Bulgarien und Rumänien sowie weitere Energieanlagen in Serbien, Kroatien, Montenegro und Nordmazedonien.
Adnoc wollte sich zu den Verhandlungen nicht äußern. Anfragen an NIS und Gazprom Neft blieben unbeantwortet, wie die Financial Times berichtet.