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Ernährungswissenschaft

Fettfalle Winter: Warum unser Körper jetzt mehr Speck ansetzt

Fettfalle Winter: Warum unser Körper jetzt mehr Speck ansetzt
(Envato: fett)
4 Min. Lesezeit |

Gesättigte Fettsäuren stören den Winterrhythmus des Körpers, während ungesättigte Fette positive Signale senden. Eine neue Studie enthüllt den überraschenden Mechanismus.

Eine aktuelle Studie der Universität San Francisco, veröffentlicht im Fachjournal „Science Translational Medicine“, liefert überraschende Erkenntnisse zum Einfluss verschiedener Fettsäuren auf unseren Körperrhythmus. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Ernährung mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren – wie sie in Fleisch, Käse, Butter und verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen – die Anpassung an den natürlichen Winterrhythmus erschweren kann. Ungesättigte Fettsäuren hingegen wirken sich positiv auf die Gesundheit aus.

In Tierversuchen zeigte sich ein deutlicher Effekt: Mäuse, die ganzjährig mit vielen gesättigten Fetten ernährt wurden, entwickelten Schwierigkeiten bei der Anpassung an den Winterrhythmus. Obwohl diese nachtaktiven Tiere im Winter normalerweise mehr Zeit mit Bewegung verbringen sollten, wurden die fettreich ernährten Tiere erst Stunden nach Einbruch der Dunkelheit aktiv und bewegten sich insgesamt weniger. Der Energieverbrauch dieser Tiere lag deutlich unter dem ihrer Artgenossen, die entweder kalorienärmer oder mit mehr ungesättigten Fettsäuren – typischerweise in Nüssen und Samen enthalten – gefüttert wurden.

Das Forschungsteam um Neurologe Louis Ptacek identifizierte einen entscheidenden Mechanismus: Fettsäuren beeinflussen ein Protein namens PERIOD2 (PER2) im Hypothalamus des Gehirns. Dieses Protein fungiert als Schlüsselregulator sowohl für die innere Uhr als auch für den Fettstoffwechsel. Je nach Zusammensetzung der aufgenommenen Fette – gesättigt oder ungesättigt – gibt PER2 dem Körper unterschiedliche Signale zur Fetteinlagerung oder -verbrennung.

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Evolutionärer Zusammenhang

Die Wissenschaftler vermuten einen evolutionären Zusammenhang mit dem Jahreszyklus von Pflanzen. Viele Pflanzenarten produzieren im Frühling und Sommer vermehrt gesättigte Fettsäuren, die von Tieren aufgenommen werden. In dieser Phase sorgt PER2 für die Energiespeicherung als Vorbereitung auf den Winter. Im Herbst, wenn Nahrung knapper wird, verändern Pflanzen die Zusammensetzung ihrer Fettsäuren – sie bilden mehr ungesättigte Fette, um ihre Zellmembranen auch bei niedrigen Temperaturen funktionsfähig zu halten.

„Man vermutet, dass sich Säugetiere, die Blätter, Früchte und Samen essen, diesem jahreszeitlichen Zyklus der Pflanzen evolutionär angepasst haben“, erklärt Felix Sternberg vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien. Obwohl nicht an der Studie beteiligt, bezeichnet er die Ergebnisse gegenüber ORF Wissen als „wirklich spannend“. Sternberg räumt ein, dass das Mausmodell nicht vollständig auf Menschen übertragbar ist – schließlich sind wir durch künstliches Licht und ganzjährige Lebensmittelverfügbarkeit kaum noch saisonal geprägt. Dennoch bieten die Erkenntnisse wertvolle Einblicke.

Gesundheitliche Vorteile

Die gesundheitlichen Vorteile ungesättigter Fettsäuren wie Omega-3, die in Fischen wie Lachs, Hering und Makrele sowie in Leinöl und Walnüssen vorkommen, sind bereits gut dokumentiert. „Sie werden u.a. als antientzündlich und das Immunsystem regulierend diskutiert“, erläutert Sternberg. „Spekuliert wird auch, dass sie das Demenzrisiko und den Blutzucker senken sollen.“ Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass ungesättigte Fette auch über die Beeinflussung der inneren Uhr positive Gesundheitseffekte entfalten könnten.

Die amerikanische Studie unterstreicht die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen ungesättigten und gesättigten Fettsäuren in der Ernährung. Dabei sollten ungesättigte Fette überwiegen, mit besonderem Augenmerk auf ausreichende Omega-3-Zufuhr. „Diese Studie zeigt weiter, dass Säugetiere wie Mäuse offenbar davon profitieren, wenn Pflanzen im Winter ihre Zellmembranen durch ungesättigte Fettsäuren beweglich halten. Das dürfte auch erklären, warum ungesättigte und pflanzliche Fette für uns Menschen so gesund sind: Unsere Zellmembranen bleiben geschmeidig, was das ganze Jahr über positive Effekte hat“, erläutert Sternberg. Er warnt jedoch davor, tierische Fette grundsätzlich zu verteufeln: „Fett per se ist ein Geschmacksträger, ein sehr effizienter Energielieferant und ganz essenziell für unseren Körper.“ Butter beispielsweise sei zu Unrecht in Verruf geraten. „Butter hat ein sehr breites Fettsäureprofil. Sie enthält u.a. mittelkettige gesättigte Fettsäuren, die sehr viele positive Effekte auf den Körper haben können.“

Für die Weihnachtszeit und den traditionellen Kekskonsum hat Sternberg praktische Tipps: „Man könnte zum Beispiel Vanillekipferl mit Walnüssen machen. Oder man bevorzugt – wenn man schon Kekse isst – die mit Nüssen, mit den guten Fetten.“ Diese Anpassung verschiebt das Fettsäureprofil in Richtung mehrfach ungesättigter Fettsäuren.

Möglicherweise signalisieren diese dem Körper sogar, dass Winter ist und das aufgenommene Fett eher verbrannt als eingelagert werden sollte – eine Hypothese, die allerdings noch weiterer Forschung bedarf.

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KO KOSMO-Redaktion
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