Digitale Belästigung trifft besonders junge Frauen hart: Mehr als zwei Drittel der Generation Z wurden bereits mit unerwünschten intimen Bildern konfrontiert.
Sexuelle Belästigung im digitalen Raum ist für viele junge Menschen mittlerweile Teil des Alltags. Eine neue Studie beleuchtet nun, wie Frauen mit unerwünschten intimen Bildern umgehen und welche Schutzmaßnahmen sie ergreifen. Die repräsentative Erhebung des Instituts Marketagent offenbart beunruhigende Zahlen: Mehr als ein Drittel aller Frauen zwischen 14 und 75 Jahren in Österreich wurde bereits mit unangebrachten Inhalten in digitalen Kanälen konfrontiert. Besonders betroffen ist die jüngere Generation – etwa 68 Prozent der Frauen der Gen Z (Generation Z, geboren zwischen 1997 und 2012) haben solche Erfahrungen gemacht. Dabei handelt es sich selten um Einzelfälle: Durchschnittlich wurden die Betroffenen bereits fünfmal mit derartigen Nachrichten oder Bildern belästigt.
Ungefragt, unerwünscht und leider keine Seltenheit: Das Phänomen der „Dickpics“ – also Penisbilder, die über Smartphones verbreitet werden – ist für viele Frauen längst zur belastenden Realität geworden. Andrea Berger, Research und Communications Manager bei Marketagent, betont den dringenden Handlungsbedarf, den diese Situation aufzeigt. Ab September 2025 wird in Österreich das unaufgeforderte Versenden intimer Aufnahmen unter Strafe gestellt – eine Maßnahme, die laut Umfrageergebnissen von den befragten Frauen als längst überfällig angesehen wird.
⇢ Stille im Netz: Warum niemand mehr sein Leben postet
Emotionale Auswirkungen
Die Untersuchung verdeutlicht, dass nicht nur die fehlende Einwilligung problematisch ist, sondern auch die emotionalen Auswirkungen auf die Empfängerinnen. Über die Hälfte der Betroffenen gibt an, primär Ekel zu empfinden. Bei 42 Prozent lösen die unerwünschten Bilder Ärger aus, 36 Prozent reagieren schockiert und zwölf Prozent fühlen sich bedroht. Die Reaktionen der Frauen zeigen deutlich, dass sie diese Zusendungen als Grenzüberschreitung wahrnehmen – und keineswegs als Flirtversuch.
Schutzstrategien
Interessanterweise unterscheiden sich die Reaktionen je nach Altersgruppe. Zwei Drittel der Betroffenen blockieren den Absender umgehend. In der Generation Z ergreifen 47 Prozent zusätzliche Maßnahmen und melden die Nachricht oder das Profil bei den Plattformbetreibern. Ältere Frauen neigen hingegen eher dazu, die unerwünschten Inhalte sofort zu löschen. Etwa ein Drittel aller Betroffenen entscheidet sich dafür, die Nachrichten schlichtweg zu ignorieren.
Die Erfahrungen mit den ungebetenen Bildern beeinflussen das Online-Verhalten nachhaltig: 57 Prozent begegnen unbekannten Kontakten grundsätzlich mit Vorsicht, 51 Prozent vermeiden die Preisgabe persönlicher Informationen im Netz. Das Blockieren oder Melden verdächtiger Profile gehört für 51 Prozent zum Standard-Repertoire, während 37 Prozent generell keine Bilder von Unbekannten öffnen.
Die Befragten sehen jedoch nicht nur sich selbst in der Verantwortung – auch die Plattformbetreiber werden klar in die Pflicht genommen.