Spitze Zähne, Plüschöhrchen und ein Herzchen auf der Nase – die Labubus erobern die Welt. Hinter dem Social-Media-Phänomen steckt eine ausgeklügelte Verkaufsstrategie.
Mit einem Herzchen auf der Nase, neun spitzen Zähnen und Plüschöhrchen ausgestattet, haben sich die sogenannten Labubus zu einem regelrechten Social-Media-Phänomen entwickelt. Am 25. Juli wird in Berlin der erste deutsche Pop-Mart-Shop seine Türen öffnen – ein Ereignis, das den Hype um die kleinen Monster hierzulande voraussichtlich weiter anfachen wird. Zur Eröffnung im Berliner Einkaufszentrum Alexa werden lange Warteschlangen und spezielle Aktionen erwartet. Für die deutsche Sammlerszene markiert dies einen Wendepunkt, da Fans die begehrten Figuren künftig direkt vor Ort erwerben können, statt auf teure Importe angewiesen zu sein.
Die plüschigen Sammelfiguren entstammen ursprünglich der Feder des Hongkonger Künstlers Kasing Lung, der sie 2015 für seine Kinderbuchreihe „The Monsters“ konzipierte. In ihrem Design vereinen die von nordischer Folklore inspirierten Labubus scheinbar widersprüchliche Elemente: Sie wirken gleichzeitig niedlich und unheimlich mit ihren spitzen Ohren, dem breiten Grinsen voller gezackter Zähne und ihrem schelmischen Blick. Lungs eigene Biografie spielt dabei eine wichtige Rolle: Als Kind wanderte er mit seiner Familie in die Niederlande aus, wo er sich von nordischer Folklore inspirieren ließ. Die Figuren vereinen Elemente westlicher Märchen mit chinesischer Mythologie und spiegeln Lungs eigene Kindheitserfahrungen wider.
Der chinesische Vinylkunst-Produzent Pop Mart begann 2019 mit der weltweiten Vermarktung der Figuren – zunächst aus Vinyl gefertigt, später auch als Plüschvariante. Ein besonderes Verkaufskonzept steigert dabei den Sammelreiz: Die Figuren werden in sogenannten „Blind Boxes“ angeboten, bei denen Käufer erst nach dem Öffnen erfahren, welches Exemplar sie erworben haben. Mittlerweile existieren über 300 verschiedene Varianten der Labubu-Figuren, was die Sammelbegeisterung zusätzlich anfacht.
Der eigentliche Durchbruch in Europa gelang den Plüschfiguren erst in diesem Jahr. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram finden sich tausende Videos der Labubus, darunter zahlreiche virale „Unboxing“-Clips, in denen die Überraschungspakete ausgepackt werden. Erwachsene tragen die Figuren bevorzugt an Handtaschen – ein Trend, der sogar schon auf Fashion-Shows zu beobachten war.
Prominente Unterstützung
Prominente spielten eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Phänomens. Den Anstoß gaben Mitglieder bekannter K-Pop-Bands, die ihre Labubu-Figuren in sozialen Medien präsentierten – mit enormer Reichweite, bedenkt man, dass solche Stars mit einem einzigen Instagram-Post vier Millionen Likes generieren können. Was einst der Nerdkultur zugeordnet wurde, avancierte dadurch zur Popkultur.
In der Folge zeigten sich auch Berühmtheiten wie Rapper Central Cee, Rihanna, Dua Lipa und David Beckham mit den Figuren, was ihren Kultstatus zementierte und gleichzeitig ihre Verfügbarkeit erschwerte. Die Nachfrage nach den Monstern ist derart hoch, dass Fans mitunter stundenlang anstehen oder Hunderte Euro investieren, um sie zu ergattern.
Auf eBay werden seltene Exemplare für über 1000 Euro gehandelt. In Hongkong wechselte sogar eine übergroße Sonderedition für mehr als 170.000 Dollar den Besitzer. Die durchdachte Verkaufsstrategie befeuert den Hype zusätzlich. Neben dem Überraschungseffekt der Blind Boxes locken extrem seltene und limitierte Varianten.
In Internetforen tauschen sich Sammler über Methoden aus, wie man durch Schütteln oder Wiegen der Boxen auf den Inhalt schließen könnte. Kooperationen mit bekannten Marken – selbst der Louvre bietet eine Kunst-Edition an – sowie die bewusste Verknappung machen die Labubus zu begehrten Sammlerstücken.
Globaler Erfolg
Das Unternehmen Pop Mart, 2010 in Peking gegründet, hat sich von einem lokalen Anbieter zu einem globalen Marktführer für Designer-Sammelfiguren entwickelt. Die Hauptzielgruppe bilden junge Erwachsene, insbesondere Frauen der Generation Z. Mittlerweile zählt Pop Mart zu den weltgrößten Spielzeugproduzenten.
Der Umsatz belief sich 2024 auf rund 1,8 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Marktwert des Unternehmens übersteigt inzwischen den der amerikanischen Spielzeugriesen Hasbro und Mattel zusammen, während sich der Aktienwert innerhalb eines Jahres verfünffacht hat.
In mehreren europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden existieren bereits Pop Mart-Flagshipstores. Ende Juli soll der erste deutsche Standort im Berliner Einkaufszentrum Alexa eröffnen. Einige Spielwarengeschäfte konnten die begehrten Figuren bereits über Zwischenhändler beziehen.
Auch in Drogerien oder Popkultur-Shops wie Elbenwald sind sie erhältlich. Im deutschen Einzelhandel bewegen sich die Preise für einen Labubu zwischen 15 und 40 Euro, wobei Sonderausgaben deutlich teurer sein können. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Plüschmonster direkt über den Online-Shop von Pop Mart oder Amazon zu erwerben – sofern sie nicht gerade vergriffen sind.
Potenzielle Käufer sollten jedoch auf Fälschungen achten, die angesichts des Hypes vermehrt auftauchen. Im Internet und teilweise auch im stationären Handel werden sogenannte „Lafufus“ zu niedrigeren Preisen angeboten.
Diese Nachahmungen lassen sich oft am fehlenden Künstlerlogo oder der fehlenden Seriennummer erkennen.