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Rüstungsdeal

Leopard statt Jugoslawien: Kroatiens militärische Westbindung

Leopard statt Jugoslawien: Kroatiens militärische Westbindung
Foto: iStock
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Mit deutschen Leopard-Panzern rüstet Kroatien massiv auf. Der 1,48-Milliarden-Deal markiert nicht nur einen historischen Wendepunkt, sondern auch die Abkehr von jugoslawischer Militärtechnik.

Kroatien unterzeichnete am Dienstag einen milliardenschweren Vertrag für den Erwerb von 44 Leopard-2A8-Kampfpanzern aus Deutschland. Das Rüstungsgeschäft im Umfang von 1,48 Milliarden Euro markiert eine der umfangreichsten Verteidigungsinvestitionen in der Geschichte des Adriastaates und symbolisiert zugleich die fortschreitende Abkehr von militärischem Gerät aus jugoslawischer Produktion. Der Leopard 2A8, entwickelt vom Rüstungskonzern KNDS, repräsentiert die neueste Generation des deutschen Kampfpanzers mit verstärkter Panzerung und modernsten digitalen Systemen. Diese Neubeschaffung ersetzt die in die Jahre gekommenen M-84-Panzer – eine jugoslawische Variante des sowjetischen T-72 aus den 1980er Jahren.

Die Vertragsunterzeichnung erfolgte in Berlin durch den kroatischen Verteidigungsminister Ivan Anusic in Anwesenheit von Regierungschef Andrej Plenkovic und Bundeskanzler Friedrich Merz, wie das Verteidigungsministerium in Zagreb mitteilte. „Kroatien verabschiedet sich schrittweise von östlicher Militärtechnologie und setzt auf westliche Systeme“, sagte Plenkovic. „Mit den modernsten Leopard-2A8-Panzern setzen wir den Modernisierungsprozess unserer Streitkräfte konsequent fort“, erklärte Anusic.

Umfassendes Modernisierungsprogramm

Die Beschaffung ist Bestandteil eines breiter angelegten Modernisierungsprogramms mit einem Gesamtvolumen von zwei Milliarden Euro. Dieses umfasst neben den Kampfpanzern auch 18 CAESAR-Haubitzen, 420 Tatra-Lastkraftwagen sowie Ausrüstung zur Drohnenabwehr. Für die Finanzierung des Panzerkaufs nutzt Kroatien das SAFE-Instrument der Europäischen Union, über das zwischen 2026 und 2030 insgesamt 1,14 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Die verbleibenden 343,5 Millionen Euro sollen bis 2033 aus dem kroatischen Staatshaushalt finanziert werden.

Nach Informationen aus Verteidigungskreisen ist die Auslieferung der Panzer für den Zeitraum 2028 bis 2030 vorgesehen und beinhaltet neben den Fahrzeugen auch Simulatoren, Ersatzteile und umfassende logistische Unterstützung. Deutschland erstattete Kroatien zudem 144,8 Millionen Euro für 30 M-84A4-Snajper-Panzer und 30 M-80-Schützenpanzer, die Zagreb Ende 2024 an Berlin übergeben hatte und die anschließend an die Ukraine weitergeleitet wurden. Diese Kompensationszahlung reduzierte die Gesamtkosten des Leopard-Pakets.

NATO-Verpflichtungen

Die Beschaffung erfolgt im Rahmen einer multinationalen Kooperation unter deutscher Führung, an der sich auch Norwegen, Tschechien, Litauen und die Niederlande beteiligen. Als NATO-Mitglied hat Kroatien seinen Verteidigungsetat deutlich aufgestockt – um 22,2 Prozent im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr und um weitere 18,2 Prozent für 2025, wie aus Berichten des Ministeriums hervorgeht. Das Land mit seinen rund 3,8 Millionen Einwohnern plant, seine Verteidigungsausgaben bis 2027 auf über 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern, anschließend auf 2,5 Prozent und bis 2030 auf 3 Prozent.

Seit Beginn der russischen Invasion im Jänner 2022 hat Zagreb der Ukraine Militärhilfe im Wert von etwa 181 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Diese umfasst neben den Ende 2024 übergebenen Panzern und Schützenpanzern auch Kleinwaffen, Munition, M-46-Feldgeschütze und Schutzausrüstung.