Messer, Drohungen, Tote: Polens Schulen erleben eine Angriffsserie – und der Handel zieht jetzt drastische Konsequenzen.
Eine Serie von Messerangriffen an polnischen Schulen hat nicht nur die Sicherheitsbehörden, sondern auch den Einzelhandel zu raschen Konsequenzen veranlasst. Die Handelsketten Biedronka, Action, Carrefour und SMYK haben Halloween-Kostüme sowie Spielzeugwaffen aus ihren Filialen genommen – eine direkte Reaktion auf die Gewaltvorfälle, denen zuletzt Schüler und Lehrkräfte zum Opfer fielen.
Polizei unter Druck
Die polnische Polizei reagierte auf die Angriffsserie mit einem massiven Einsatz: Rund 162.000 Schulbesuche wurden in kurzer Zeit durchgeführt, um die Sicherheitslage zu stabilisieren. Seit September wurden 187 Personen festgenommen – überwiegend Jugendliche, die Drohungen ausgesprochen oder versucht hatten, Waffen in Schulgebäude zu schmuggeln. Darüber hinaus gingen bei den Behörden 482 Hinweise auf besorgniserregende Inhalte in sozialen Netzwerken ein.
Biedronka-Sprecherin Malgorzata Polakowska begründete den Rückzug der Produkte damit, dass das saisonale Sortiment „positive Emotionen und gemeinsamen Spaß fördern“ solle. Auch die Kinderkette SMYK zog sämtliche Spielzeugwaffen aus dem Angebot. Marketingspezialistin Katarzyna Czechowska-Jakubowska stellte klar, dass derartige Artikel in einem Geschäft, das sich an Eltern und Kinder richte, schlicht nichts verloren hätten.
Schwere Einzelfälle
Seit dem 22. September wurden sechs Messerangriffe an polnischen Schulen registriert. Zu den schwersten Vorfällen zählen ein Angriff in Ostroleka, bei dem ein 19-Jähriger neun Personen verletzte, sowie ein Vorfall in Leszno Górne, wo ein 15-jähriger Schüler eine Hausmeisterin tötete. Premierminister Donald Tusk bezeichnete die Taten als spontane Handlungen, die durch Aktivitäten in sozialen Netzwerken befeuert worden seien, und warnte eindringlich vor einer zunehmenden Faszination für Gewalt im digitalen Raum.