Start BLOG Migranten-Bashing: „Jugo- und Türkenclubs statt Hotels und Restaurants zusperren“
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Migranten-Bashing: „Jugo- und Türkenclubs statt Hotels und Restaurants zusperren“

(FOTO: Facebook-Screenshot, iStockphoto)

Mit dieser Aussage schoss sich der Bezirksobmann der Wirtschaftskammer Innsbruck, Karl Ischia gewaltig ins Aus. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!

Gestern veröffentlichte Ischia einen Post auf Facebook, in welchem er gegen „Somalier-, Türken-, Jugo und Hipsterclubs“ schießt, da dort Infektionen nach Mitternacht stattgefunden hätten. Er kritisiert, dass man restriktiver gegen diese Lokale reagieren hätte müssen, da nun „Hotels, Restaurants und Bars mit allen erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen“ um 22 Uhr zusperren müssen. Zur Erinnerung: gestern verlegten drei Bundesländer, darunter Tirol, die Sperrstunde vor. (KOSMO berichtete)

(FOTO: Facebook-Screenshot)

Verurteilen anstatt vertreten
Eigentlich würde man sich erwarten, dass von der Corona-Krise gebeutelte Branchen, wie die (Nacht-)Gastronomie, aus der Wirtschaftskammer Unterstützung erfahren. Aber anscheinend wird hier differenziert.

Eine Interessensvertretung haben die „Somalier-, Türken-, Jugo und Hipsterclubs“ anscheinend nicht verdient – während man sich um das Wohl der nicht von Ausländern geführten Lokale offenbar mehr Sorgen macht. „Ungerecht und undifferenziert“, lieber Herr Ischia, ist nicht die Tatsache, dass die Sperrstunde vorverlegt wurde, sondern vielmehr rassistische Kommentare, anstatt einer wirklichen Interessensvertretung. Verurteilen ist auf jeden Fall keine Lösung.

Tirol hat auch keine weiße Weste
Vor allem von einem Tiroler WKO-Obmann kann man sich angesichts der Corona-Pandemie etwas mehr Einfühlungsvermögen erwarten. Heilig und unschuldig sind der Tourismus und die Gastronomie dort sicher nicht. Man denke nur an den Skandal-Skiort Ischgl, der im Frühjahr als Superspreader fungierte und an über 6.000 Geschädigte, die vom Verbraucherschutzverein vertreten werden und heute Klage einreichten.

Wer also im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen! Ja, es gibt Versäumnisse im Corona-Management, diese kann man nicht absprechen, aber die Pandemie auf bestimmte ethnische Gruppen zu begrenzen und Corona ganz unverschämt zum „Ausländer-Virus“ zu machen, ist einfach nur plump und ruft Rhetoriken alla Donald Trump (China-Virus) und Ähnliches wieder ins Gedächtnis.

Erklärungsversuch
Das erste Posting von Karl Ischia ist übrigens nicht mehr auf Facebook zu finden. In einem zweiten Beitrag erklärt er, dass man „ihn falsch verstanden habe“ und das Posting deswegen entfernt wurde. Von „falsch verstehen“ kann hier jedoch keine Rede sein, da die Worte sehr eindeutig waren. Es ist zwar mehr als löblich von Ihnen, dass Sie sich bei allen entschuldigen, „falls sich jemand diskriminiert fühlt“ und dass sie betonen, ein „weltoffener Mensch“ zu sein, jedoch ist ein Mit-dem-Finger-Zeigen das Letzte, was die Gastronomie, in welcher – falls Sie es nicht wissen- übrigens zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund Unternehmer bzw. Beschäftigte sind, braucht.

(FOTO: Facebook-Screenshot)