Warnwesten bieten keinen Schutz – immer wieder werden Haustiere in Österreich von Jägern erschossen. Die Fälle häufen sich, während das Jagdrecht auf veralteten Grundlagen basiert.
Die tödlichen Schüsse auf Haustiere in Österreich haben eine landesweite Debatte über das Jagdrecht ausgelöst. Mehrere dramatische Vorfälle in jüngster Zeit rücken die Problematik in den Fokus der Öffentlichkeit. In Oberösterreich wurde Ende Dezember der Bordercollie Cooper bei Tageslicht erschossen, obwohl er ein neonfarbenens Brustgeschirr trug und sich in unmittelbarer Nähe seines Besitzers befand. Kurz darauf ereilte den Australian-Shepherd-Husky-Mix Bailey in der Steiermark ein ähnliches Schicksal – trotz Warnweste und lediglich 17 Meter Entfernung zu einem Hochstand. In beiden Fällen gaben die verantwortlichen Jäger an, die Hunde mit Füchsen verwechselt zu haben.
Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria, kritisiert diese Vorfälle scharf: „Wenn Hunde mit Warnwesten oder neonfarbenem Geschirr für Wildtiere gehalten werden, dann läuft in diesem System etwas grundlegend falsch.“ Das bestehende Jagdrecht biete keinen ausreichenden Schutz für Haustiere, was immer wieder zu vermeidbaren Todesfällen führe.
Nach einem Aufruf über soziale Medien dokumentierte Tierschutz Austria innerhalb von nur zwei Wochen 15 weitere Fälle von verletzten oder getöteten Haustieren durch Jäger. Besonders erschütternd ist der Fall der Katze Peach, die in einer Lebendfalle gefangen und anschließend durch einen Kopfschuss getötet wurde. Obwohl Anzeige erstattet wurde, endete das Verfahren mit einem Freispruch für den Schützen.
Verfassungswidrige Praxis
Ein aktuelles Rechtsgutachten der Juristin Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner aus dem Jahr 2025 kommt zu einem eindeutigen Schluss: Der Abschuss von Haustieren sei verfassungswidrig, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar. Die geltenden Bestimmungen basierten teilweise auf jahrhundertealten Regelungen und stünden im Widerspruch zum heutigen Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Besonders problematisch erscheint die Ungleichbehandlung zwischen Jagdhunden, die geschützt sind, und Familienhunden, die keinen vergleichbaren Schutz genießen – eine sachlich kaum begründbare Diskrepanz.
„Warnwesten sind kein Schutzschild“, betont Aschauer. Er verweist darauf, dass die österreichischen Jagdgesetze aus einer Zeit stammen, in der Haustiere rechtlich kaum Beachtung fanden. „Heute sind Hunde und Katzen Familienmitglieder – und genau so müssen sie auch geschützt werden.“
Die derzeitige Rechtslage erlaubt die Tötung von Hunden und Katzen in nahezu allen Jagdgebieten, die etwa 98 Prozent der österreichischen Landesfläche ausmachen. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland, weisen jedoch durchgehend problematische Aspekte auf: In Oberösterreich und Tirol ist die Tötung nach dem Fang in Lebendfallen gestattet, während in der Steiermark saisonale Kriterien gelten und oft vage Formulierungen wie „wild jagend“ als Rechtfertigung ausreichen.
Konkrete Forderungen
Auf Grundlage der dokumentierten Fälle und des Rechtsgutachtens fordert Tierschutz Austria weitreichende Maßnahmen: ein österreichweites, explizites Verbot des Haustierabschusses, psychologische Eignungstests für Jagdscheinbesitzer, ein Alkoholverbot bei der Jagd mit verbindlichen Tests sowie den sofortigen Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei Verstößen.
Während die Waffengesetz-Novelle 2025 für viele Waffenbesitzer psychologische Gutachten vorsieht, bleiben Jäger von dieser Regelung ausgenommen. Zudem existieren weder einheitliche Promillegrenzen noch ein generelles Alkoholverbot bei der Jagd. In anderen Ländern wie Frankreich ist hingegen die Jagd unter Alkoholeinfluss seit 2023 ausdrücklich untersagt.
„Jeder erschossene Hund, jede getötete Katze ist ein Opfer politischer Versäumnisse“, erklärt Aschauer. Mehr als 20.000 Menschen fordern bereits ein Umdenken. Diese Stimmen sollen unter anderem an Bundesminister Norbert Totschnig sowie die zuständigen Landesräte – in Niederösterreich etwa an Stephan Pernkopf – übergeben werden.
Tierschutz Austria ruft Betroffene dazu auf, weitere Fälle zu melden, um das tatsächliche Ausmaß der Problematik sichtbar zu machen. Gleichzeitig appelliert die Organisation an die Bevölkerung, durch Unterzeichnung der Petition den politischen Druck zu erhöhen.
„Es kommt wirklich auf jede einzelne Unterschrift an“, betont Aschauer abschließend. „Der unkontrollierte Haustierabschuss muss gestoppt werden.“