Während Bomben auf die Ukraine fallen, genießen immer mehr Russen ihren Urlaub in Europa. Die Zahl der Schengen-Visa steigt – sehr zum Unmut ukrainischer Diplomaten.
Touristen kehren zurück
Ungeachtet des anhaltenden Krieges in der Ukraine, westlicher Sanktionen und Einschränkungen im Luftverkehr verzeichnen mehrere EU-Staaten wieder deutlich mehr russische Urlauber. Wie aus einer umfassenden Recherche des britischen „Telegraph“ hervorgeht, wurden 2024 bereits über 550.000 Schengen-Visa an russische Staatsbürger ausgestellt – ein Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Besonders großzügig zeigt sich dabei Italien mit mehr als 152.000 erteilten Visa. Auf den weiteren Plätzen folgen Frankreich mit rund 124.000 und Spanien mit 111.000 Einreisegenehmigungen. Die Zahlen basieren auf Visa- und Buchungsdaten, zu denen Telegraph-Journalisten Zugang erhielten.
Tourismus-Boom
Vor allem in Frankreich und Italien macht sich der Zuwachs bereits deutlich bemerkbar. In beiden Ländern stieg die Zahl der Übernachtungen russischer Gäste im vergangenen Jahr um mehr als 19 Prozent. Auch Spanien zählt inzwischen wieder zu den bevorzugten Reisezielen russischer Touristen – sehr zum Missfallen ukrainischer Diplomaten und jener EU-Mitgliedstaaten, die eine härtere Linie gegenüber Moskau befürworten.
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Gespaltene EU: Wohlwollende Südländer, restriktive Osteuropäer
Die Visa-Politik innerhalb der EU gegenüber russischen Staatsbürgern offenbart tiefe Gräben zwischen den Mitgliedstaaten. Während südliche Länder wie Italien mit einer Bewilligungsquote von 94,3 Prozent äußerst großzügig agieren, verfolgen osteuropäische Staaten einen deutlich restriktiveren Kurs. Polen etwa stellte im selben Zeitraum nur 251 Visa für russische Antragsteller aus – ein Bruchteil im Vergleich zu den südeuropäischen Zahlen.
Bemerkenswert ist auch, dass die Ablehnungsquote für russische Schengen-Visaanträge 2024 auf 7,4 Prozent gesunken ist – deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 14,8 Prozent. Von den über 600.000 eingereichten Anträgen wurden mehr als 540.000 positiv beschieden, wobei rund 90 Prozent für touristische Zwecke ausgestellt wurden.
Ukrainische Bedenken
Die ukrainische Seite reagiert mit deutlicher Kritik auf diese Entwicklung. „Inmitten eines Angriffskrieges gegen die Ukraine ist es äußerst überraschend, dass EU-Staaten mehr Touristenvisa an russische Bürger ausstellen“, erklärte Vsevolod Cencov, der ukrainische Botschafter bei der EU, gegenüber dem „Telegraph“.
Der Diplomat warnte zugleich vor erheblichen Sicherheitsrisiken, da Russland verstärkt auf hybride Kriegsführung setze – einschließlich des Einsatzes von Agenten, die als gewöhnliche Touristen getarnt seien.