Die Touristensaison in Montenegro steht dieses Jahr unter keinem guten Stern. Während in den vergangenen Jahren die Strände, Cafés und Restaurants gut besucht waren, zeigt sich nun ein anderes Bild: leere Liegestühle und ausbleibende Gäste, besonders aus den Nachbarländern Serbien und Bosnien.
Für Empörung sorgen vor allem die Preise – in Przno bei Sveti Stefan werden für Liegestühle bis zu 200 Euro verlangt, während an anderen Stränden die Preise zwischen 15 und 120 Euro schwanken. Auch Privatunterkünfte schlagen je nach Lage mit 40 bis 90 Euro und mehr zu Buche.
Ein auf dem Instagram-Account „crnogorski_vodic“ veröffentlichtes Video bringt die Missstände schonungslos auf den Punkt. „Nach zahlreichen Nachrichten und meinen eigenen Beobachtungen musste ich dieses Video veröffentlichen“, erklärt der Betreiber. „So kann man keinen erfolgreichen Tourismus betreiben. Es knirscht an allen Ecken – von der Unfreundlichkeit über Müllberge bis hin zu völlig überzogenen Preisen.“ An manchen Stränden werden sogar Sickergruben entleert. Dabei hängt unser ganzes Land vom Tourismus ab! Wie kann man mitten in der Hauptsaison Straßenarbeiten auf der meistbefahrenen Küstenstrecke durchführen? Ein absoluter Skandal. Dieses Land hat so viel Potenzial, zeigt aber beharrlich seine hässlichste Seite. KOMMT ZUR VERNUNFT!“
Preisschock für Urlauber
Das Video listet weitere Preisbeispiele auf, die für Urlauber abschreckend wirken: zwei Portionen Pommes für 16 Euro, ein simpler Souvenir-Magnet für 20 Euro, gezapftes Bier für 4 Euro. Dazu kommen Berichte über ins Meer geleitete Abwässer, überteuerte Taxifahrten in Budva und die zunehmende „Exklusivität“ aller Strände – bei gleichzeitig laufenden Straßenarbeiten auf dem Höhepunkt der Saison.
Die Veröffentlichung löste kontroverse Reaktionen aus. Einige Nutzer kritisierten die Verallgemeinerung: „Kosten wirklich überall an der Küste Liegestühle 100 Euro und Pommes 8 Euro? Sind in jeder Stadt Magnete für 20 Euro zu haben? Wurde bis zu dieser Saison keine Kanalisation ins Meer geleitet?“ Ein anderer Kommentar hinterfragt: „Wo sollen Liegestühle 200 Euro kosten? In Buljarica zahlt man 15 Euro, in Bar und Ulcinj 10-15 Euro… Wozu diese negative ‚Werbung‘ mitten in der Hochsaison?“
Geteilte Meinungen
Andere Nutzer bestätigen hingegen die Kritik und ziehen Vergleiche zu Konkurrenzzielen: „Die Strände auf Sithonia und den griechischen Inseln sind ein Paradies. Auch dort sind die Preise hoch, aber ich weiß wenigstens, wofür ich bezahle.“ In Montenegro breche ich mir erst ein Bein, bevor ich zum Wasser komme, der Service ist miserabel, alles überteuert und das Angebot dürftig.“ Ein weiterer Kommentar prophezeit: „Jede kommende Saison wird für euch schlechter werden, wenn ihr nicht die Preise korrigiert. Der Service ist skandalös, es gibt kaum Flugverbindungen, dafür Straßenblockaden und Bauarbeiten. Die Leute versuchen, in einem Monat den Jahresverdienst einzufahren. Arroganz auf Schritt und Tritt.“
Es gibt jedoch auch Stimmen, die das Video kritisch sehen: „Ich bin ehrlich überrascht, dass der montenegrinische Reiseführer sich der negativen Kampagne anschließt und alles verallgemeinert. Die Liegestühle kosten meist 15-20 Euro, maximal 30 Euro in der ersten Reihe am Slovenska-Strand. Wir sind freundliche Gastgeber, auch wenn es Ausnahmen gibt. Gäste aus Belgrad bestätigen, dass die Lebensmittelpreise vergleichbar oder sogar niedriger sind als zuhause.
Zeigt lieber die Schönheiten Montenegros, kulturelle Veranstaltungen und unsere Strände. Fehler gibt es überall – wichtig ist, dass wir daraus lernen, besonders jene, die im Tourismusministerium sitzen.“
Zahlen belegen strukturelle Probleme
Die Kritik an montenegrinischen Tourismusverhältnissen scheint nicht unbegründet zu sein. Aktuelle Daten belegen: Obwohl die registrierten Touristenankünfte in den ersten fünf Monaten 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent gestiegen sind, sank die Zahl der Übernachtungen um 7 Prozent. Experten führen dies vor allem auf kürzere Aufenthalte und den Rückgang russischer und ukrainischer Gäste zurück.
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Besonders besorgniserregend: Die Auslastung vieler Hotels und Privatunterkünfte lag im Juli – also mitten in der Hauptsaison – nur bei 50 bis 60 Prozent, deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Branchenvertreter machen dafür Flugausfälle, Infrastrukturprobleme und eine fehlende touristische Strategie verantwortlich.
Im Vergleich zu Konkurrenten wie Kroatien und Griechenland bleibt Montenegro strukturell im Nachteil, insbesondere bei Flugverbindungen, Marketing und saisonunabhängigen Angeboten. Tourismusexperten betonen: Für eine nachhaltige Verbesserung wären eine Diversifizierung der Märkte, Investitionen in Infrastruktur und die Entwicklung hochwertiger, spezialisierter Tourismusprodukte entscheidend – genau die Bereiche, die im viralen Video kritisiert werden.