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Hungernotlüge

Keine Aushungerung in Gaza“: Netanjahus Realität gegen UN-Berichte

Keine Aushungerung in Gaza“: Netanjahus Realität gegen UN-Berichte
(FOTO: EPA/DAN BALILTY / POOL)
3 Min. Lesezeit |

Während Netanjahu jede Aushungerungspolitik in Gaza vehement abstreitet, zeichnen UN-Organisationen ein dramatisch anderes Bild der humanitären Lage vor Ort.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat Vorwürfe einer gezielten Aushungerungspolitik im Gazastreifen zurückgewiesen. Bei einer von der Trump-Beraterin und evangelischen Pastorin Paula White geleiteten christlichen Konferenz in Jerusalem erklärte er: „Es gibt keine Politik der Aushungerung in Gaza und es gibt keine Aushungerung in Gaza.“ Israel habe Hilfslieferungen in völkerrechtskonformen Mengen zugelassen und beschuldigte seinerseits die Hamas, diese Hilfe zu stehlen und anschließend Israel für die Blockade verantwortlich zu machen.

Diese Darstellung steht jedoch in krassem Widerspruch zu Berichten zahlreicher humanitärer Organisationen und der Vereinten Nationen, die eine dramatische Verschlechterung der Versorgungslage dokumentieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass die Unterernährung in Gaza „auf einem gefährlichen Weg“ sei und verzeichnete allein im Juli 63 hungerbedingte Todesfälle. Nach UNRWA-Daten (UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge) leidet bereits jedes fünfte Kleinkind in Gaza unter akuter Unterernährung.

Noch alarmierender: Laut aktuellem Bericht des UN-Welternährungsprogramms sind rund 100.000 Frauen und Kinder in Gaza von schwerer akuter Unterernährung betroffen. Ein Drittel der Bevölkerung muss demnach tagelang ohne Nahrung auskommen. Bei Kindern unter fünf Jahren ist die Rate akuter Unterernährung im Juli auf 9 Prozent gestiegen – in Gaza-Stadt sogar auf 16 Prozent, was eine Vervierfachung gegenüber Februar bedeutet.

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Blockierte Hilfslieferungen

Die UN werfen Israel vor, Hilfslieferungen systematisch zu blockieren und zu verzögern. Besonders gravierend: Von März bis Mai wurde demnach eine vollständige Blockade der Hilfslieferungen für elf Wochen verhängt. Seit Mai übernimmt die umstrittene amerikanische Gaza Humanitarian Foundation (GHF) die Verteilung der Hilfsgüter. Das neue System sieht die Lieferung von Nahrungsmitteln durch wenige, von bewaffneten Auftragnehmern gesicherte Zentren vor.

Hunderte Palästinenser kamen seither bei dem Versuch ums Leben, an Hilfslieferungen zu gelangen. Die Hamas wies ihrerseits die Vorwürfe zurück, Hilfslieferungen zu stehlen. Eine interne Untersuchung von USAID (US-Behörde für internationale Entwicklung) fand keine Belege für eine systematische Entwendung humanitärer Hilfe aus Lagerhäusern.

Internationale Hilfsorganisationen warnen mittlerweile vor einer drohenden Massenverelendung. Nach dem Zusammenbruch der Feuerpause im März kamen Hilfslieferungen nahezu vollständig zum Erliegen. Zusätzlich wurde die Versorgungslage durch gezielte Angriffe auf Wasser- und Versorgungsinfrastruktur weiter verschärft.

Unzureichende Feuerpausen

Die israelische Armee kündigte heute eine „humanitäre Pause“ zwischen 10 und 20 Uhr an und versprach die Öffnung eines Korridors für Hilfslieferungen. Doch bereits wenige Stunden nach dieser Ankündigung wurden die Luftangriffe fortgesetzt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza wurden dabei weitere 63 Menschen getötet.

Ahmad Alhendawi, Direktor von Save the Children für den Nahen Osten, warnte, dass kurzzeitige Feuerpausen nicht ausreichen, um die humanitäre Katastrophe zu lindern: „Kinder sterben. Unterernährung ist vermeidbar und wir wissen, wie man sie behandelt. Es bedarf einer kontinuierlichen und sicheren Lieferung von Nahrungsmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und medizinischer Hilfe.“

Ein Tag Hilfe reicht nicht aus, um Menschen vom Rand des Todes zu retten.