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Forschungsdurchbruch

Vergessenes Antibiotikum bringt resistente Erreger zum Zittern

Vergessenes Antibiotikum bringt resistente Erreger zum Zittern
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Ein übersehener Schatz aus der Vergangenheit könnte die Zukunft der Antibiotika revolutionieren. Forscher entdeckten zufällig einen Wirkstoff, der resistente Keime in die Knie zwingt.

Ein Blick zurück führt zu medizinischem Durchbruch: Wissenschaftler der Universitäten Warwick und Monash haben bei der Untersuchung eines jahrzehntealten Antibiotika-Herstellungsprozesses eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Sie identifizierten einen bisher übersehenen Wirkstoff – Prämethylenomycin-C-Lacton – der im Kampf gegen multiresistente Keime neue Hoffnung weckt.

Antibiotika sind Wirkstoffe, die bakterielle Infektionen bekämpfen, indem sie Bakterien entweder abtöten oder deren Vermehrung unterbinden. Sie zeigen jedoch keine Wirkung gegen virale Erkrankungen wie gewöhnliche Erkältungen. Das Problem der Resistenzbildung entsteht, wenn Bakterien durch genetische Mutationen die Fähigkeit entwickeln, die Wirkung eines Antibiotikums zu umgehen. Überleben diese resistenten Erreger eine Behandlung, können sie sich vermehren und ausbreiten.

Der unsachgemässe Einsatz von Antibiotika – sei es durch übermässige Verschreibung oder falsche Anwendung – beschleunigt diesen Prozess erheblich. Die Folge: Einst gut behandelbare Infektionen werden zunehmend zur medizinischen Herausforderung.

Überraschende Wirksamkeit

Die Laboruntersuchungen des neu entdeckten Wirkstoffs lieferten erstaunliche Ergebnisse: Prämethylenomycin-C-Lacton erwies sich als mehr als hundertmal wirksamer als sein Vorgänger Methylenomycin A, das bereits vor etwa 50 Jahren entdeckt wurde. Besonders vielversprechend zeigte sich seine Wirksamkeit gegen MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) – zwei Bakterienstämme, die in Kliniken weltweit zu den gefürchtetsten Erregern zählen.

Zudem konnten die Wissenschaftler keine Anzeichen für eine Resistenzentwicklung gegen den neuen Wirkstoff feststellen.

Der Weg zu dieser Entdeckung war nicht geplant. Die Forschungsgruppe untersuchte eigentlich die genetischen Grundlagen der Methylenomycin-A-Produktion in Bakterien. Als sie experimentell bestimmte Gene deaktivierten, traten zwei bisher unbekannte Zwischenprodukte auf – chemische Verbindungen, die während des Herstellungsprozesses entstehen.

Zufallsfund mit Potenzial

Eines dieser Zwischenprodukte, Prämethylenomycin-C-Lacton, entpuppte sich als deutlich potenter als das ursprünglich untersuchte Antibiotikum. Studienleiter Greg Challis kommentierte: „Bisher hat offenbar niemand die Zwischenprodukte alter Antibiotika auf ihre Wirksamkeit getestet. Dabei könnte genau das ein neuer Weg sein, um wirksamere Medikamente gegen resistente Erreger zu finden.“

Bis zur möglichen Anwendung als Medikament ist allerdings noch ein weiter Weg zu gehen. Umfangreiche weitere Tests und Studien sind erforderlich. Das Forschungsteam plant nun präklinische Untersuchungen, um die Sicherheit und Wirksamkeit des Stoffes im Organismus zu evaluieren.

Ein wichtiger Meilenstein wurde bereits von Wissenschaftlern der Monash University erreicht: Sie konnten nachweisen, dass sich der Wirkstoff in grösseren Mengen synthetisieren lässt – eine wesentliche Voraussetzung für eine potenzielle klinische Anwendung.

Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Journal of Organic Chemistry publiziert.

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KO KOSMO-Redaktion
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