Plastik ist überall – in Verpackungen, Kosmetik, Spielzeug. Was das für ungeborenes Leben bedeutet, zeigt nun eine alarmierende Studie.
Einer neuen Studie zufolge könnte die Belastung durch Phthalate – Chemikalien, die Kunststoffe geschmeidig und formbar machen – mit knapp zwei Millionen Frühgeburten pro Jahr weltweit sowie mit Zehntausenden Todesfällen bei Neugeborenen in Zusammenhang stehen. Laut den Berechnungen der Studienautoren war die Exposition gegenüber Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP), dem am weitesten verbreiteten Vertreter dieser Stoffgruppe, im Jahr 2018 mit rund 1,97 Millionen Frühgeburten assoziiert – das entspricht mehr als acht Prozent aller weltweit registrierten Fälle. Darüber hinaus wird dieselbe Substanz mit etwa 74.000 Todesfällen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht, was das mögliche Ausmaß des Problems für die öffentliche Gesundheit erheblich unterstreicht.
Durchgeführt wurde die Analyse von Forschern der amerikanischen Universität NYU Langone Health in New York; veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift eClinicalMedicine. Phthalate sind eine Gruppe synthetischer Verbindungen, die Kunststoffen zugesetzt werden, um diese flexibler und belastbarer zu machen. Ihr Einsatzgebiet ist breit: Sie stecken in Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Reinigungsmitteln, Bodenbelägen, Spielzeug und medizinischen Geräten.
In den menschlichen Körper gelangen sie über Nahrung, Atemluft und Hausstaub. Besonders heikel ist dabei, dass sie sich aus Produkten herauslösen können – etwa wenn Plastikverpackungen erhitzt werden oder Lebensmittel längere Zeit in Kontakt mit Kunststoff stehen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Aufnahme kontinuierlich und kumulativ erfolgt: Geringe Mengen werden Tag für Tag über lange Zeiträume hinweg aufgenommen.
Hormonelle Störungen
Ein zentraler Grund zur Besorgnis liegt in der Wirkungsweise dieser Substanzen: Phthalate zählen zu den sogenannten endokrinen Disruptoren – Stoffen, die in das Hormonsystem eingreifen können. Da Hormone die Schwangerschaft und die fetale Entwicklung maßgeblich steuern, kann jede Störung dieses empfindlichen Gleichgewichts weitreichende Folgen haben. Die Forscher vermuten, dass Phthalate die Funktion der Plazenta beeinträchtigen könnten – jenes Organs, das den Fötus mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Zusätzlich werden Phthalate mit verstärkten Entzündungsreaktionen und oxidativem Stress im Organismus in Verbindung gebracht – Prozesse, die eine Schwangerschaft weiter destabilisieren und das Komplikationsrisiko erhöhen können. Experten betonen, dass diese Auswirkungen vor allem in sensiblen Entwicklungsphasen besonders gravierend sind: Während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit können selbst geringfügige Veränderungen langfristige Spuren hinterlassen.
Frühgeburt – definiert als Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche – gehört zu den häufigsten Ursachen für die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren. Doch auch jene, die überleben, tragen oft schwere Lasten: Atemprobleme durch unreife Lungen, ein erhöhtes Infektionsrisiko, Verzögerungen in der neurologischen Entwicklung sowie spätere Lern- und Verhaltensschwierigkeiten sind keine Seltenheit. In manchen Fällen reichen die Folgen bis ins Erwachsenenalter – in Form eines erhöhten Risikos für chronische Erkrankungen.
Die Studienautoren halten fest, dass ihre Ergebnisse keinen direkten Kausalzusammenhang zwischen Phthalaten und Frühgeburten oder Neugeborenensterblichkeit belegen. Angesichts des Umfangs der Datenbasis erachten sie die Befunde jedoch als gewichtig genug, um weitere Forschung und eine umsichtigere Regulierung einzufordern. Zugleich warnen sie davor, das Problem auf Entwicklungsländer zu reduzieren: Auch in wohlhabenden Staaten – einschließlich europäischer Länder – ist die Belastung aufgrund des hohen Plastik- und Chemikalienverbrauchs erheblich.
Regulierung & Schutz
Die Europäische Union hat die Verwendung bestimmter Phthalate bereits eingeschränkt, insbesondere in Kinderprodukten und Kosmetika. Experten mahnen jedoch, dass dieser Ansatz häufig dazu führt, eine Chemikalie durch eine strukturell ähnliche zu ersetzen, deren Auswirkungen noch unzureichend erforscht sind. Deshalb wird zunehmend gefordert, nicht einzelne Verbindungen, sondern ganze Chemikaliengruppen zu regulieren.
Als praktische Schutzmaßnahmen empfehlen Experten, das Erhitzen von Lebensmitteln in Plastikbehältern zu vermeiden und stattdessen auf Glas oder Metall zu setzen. Auch der Verzicht auf stark parfümierte Produkte – die häufig Phthalate enthalten – kann die Belastung senken. Regelmäßiges Lüften und das Reduzieren von Staubansammlungen können ebenfalls helfen – gerade in geschlossenen Räumen, wo sich Schadstoffe leicht konzentrieren.
Für Kroatien liegen zwar keine präzisen Daten zur Phthalatbelastung in der Schwangerschaft vor, doch Experten betonen, dass die Bevölkerung denselben Produkten und Chemikalien ausgesetzt ist wie der Rest der EU. Laut Angaben des Kroatischen Instituts für öffentliche Gesundheit machen Frühgeburten rund fünf bis sieben Prozent aller Geburten im Land aus – ein Wert, der dem europäischen Durchschnitt entspricht. Frühgeburten sind dabei von einer Vielzahl an Faktoren abhängig, darunter das Alter der Mutter, chronische Erkrankungen, Infektionen und der Lebensstil.
Wie die Nachrichtenagentur Hina Gesundheit berichtet, ist die Frage der Umweltchemikalien in Kroatien inzwischen fester Bestandteil der Diskussion rund um Präventivmedizin und öffentliche Gesundheit – wobei Experten mehr Forschung und eine systematischere Überwachung der Belastungssituation fordern, um die Risiken für Mütter und Neugeborene besser einschätzen zu können.