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SORA-Studie

Wird in Österreich eine Vermögenssteuer eingeführt?

GELDSCHEINE
Rund zwei Drittel der Österreicher befürworten die Einführung einer Vermögenssteuer. (FOTO: iStock/Jarama)

Laut einer neuen Studie des Momentum Instituts finden 70 Prozent der Österreicher, dass Einkommen und Vermögen in ihrem Land ungleich verteilt sind. Zudem empfinden 75 Prozent das politische System als ineffektiv.

Rund zwei Drittel der Österreicher befürworten die Einführung einer Vermögenssteuer. Darüber hinaus sind 55 Prozent der Befragten für eine Erhöhung der Steuern auf Unternehmensgewinne.

Betriebswirtschaftslehre-Professor Leonhard Dobusch vom Momentum Institut wies bei der Vorstellung der Studie darauf hin, dass die Befragung dazu dienen solle, „eines der relevantesten Probleme unserer Zeit, dem sich zuspitzenden Auseinanderklaffen von Arm und Reich“ zu verdeutlichen.

Laut der Studie sind rund 70 Prozent der befragten Menschen der Ansicht, dass Einkommen und Vermögen in Österreich ungerecht verteilt sind. Dobusch wies darauf hin, dass diese Meinung in allen Gesellschaftsschichten vertreten ist. Sogar 67 Prozent der Menschen aus der „obersten Klasse“ – den 10 Prozent mit dem höchsten Einkommen – halten die Vermögensverteilung für ungerecht. Ähnlich äußerten sich auch 58 Prozent der „reichsten 10 Prozent“ zur Einkommensverteilung.

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Steuersenkung auf Lebensmittel

„Die Überzeugung, dass Einkommen und Vermögen in Österreich ungerecht verteilt sind, teilen Menschen über alle Klassen hinweg. Eine Politik, die dieses Verteilungsproblem ignoriert, untergräbt damit letztlich auch die Legitimation unserer Demokratie“, so Dobusch.

Eine deutliche Mehrheit von jeweils 80 Prozent spricht sich für eine Senkung der Steuer auf Lebensmittel und Steuersenkungen für Beschäftigte aus. Eine Erbschaftssteuer sowie klimabezogene Steuern halten knapp die Hälfte der Befragten für sinnvoll. Die unteren 90 Prozent stimmen häufiger für Steuersenkungen auf Lebensmittel und Steuererhöhungen auf Unternehmensgewinne als die oberen zehn Prozent.

Mehrheit für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne

90 Prozent der Menschen befürworten Lohnerhöhungen in Branchen mit niedriger Bezahlung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in anstrengenden Berufen.

70 Prozent der Befragten sprechen sich für mehr Geld für Umschulungen aus, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. 62 Prozent sind für strengere Bestimmungen für arbeitslose Menschen, damit diese schneller eine Arbeit finden. Nur 26 Prozent der obersten Klasse und 34 Prozent der untersten Klasse sind für eine dauerhafte Erhöhung des Arbeitslosengeldes.

80 Prozent der Menschen befürworten Richtlinien und Angebote für Unternehmen, damit ältere Menschen bis zur Pension gesund arbeiten können. Deutlich weniger, nämlich 39 Prozent der obersten 10 Prozent und 23 Prozent der unteren 50 Prozent, sind für strengere Bestimmungen, damit Menschen tatsächlich bis zum gesetzlichen Pensionsantritt arbeiten.

Bessere Betreuung von Kindern

Alle Einkommensgruppen wollen bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder, mehr finanzielle Unterstützung für Familien und besseren Schutz gegen Diskriminierung aufgrund von Armut.

Das Momentum Institut fordert Erbschafts- und Vermögenssteuern sowie höhere Steuern auf Unternehmensgewinne. Es setzt sich auch für flächendeckende Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr und einen kollektivvertraglichen Brutto-Mindestlohn von 2000 Euro pro Monat ein. Darüber hinaus soll die Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel während der Teuerungskrise gesenkt werden.