Unerwünschte Nacktbilder, Selbstverletzung, gezielte Werbung an Teenager – interne Dokumente bringen Meta unter massiven Druck.
Rund ein Fünftel der Instagram-Nutzer zwischen 13 und 15 Jahren hat nach eigenen Angaben auf der Plattform unerwünschte Nacktbilder oder sexuelle Inhalte zu sehen bekommen. Das geht aus einer Gerichtsakte hervor. Der Konzern Meta, dem neben Facebook auch Instagram gehört, sieht sich in den Vereinigten Staaten mit Tausenden Klagen auf Bundes- und Landesebene konfrontiert.
Im Mittelpunkt der Vorwürfe stehen der Vorwurf, suchtfördernde Produkte zu entwickeln sowie die Mitverantwortung an einer psychischen Gesundheitskrise unter Minderjährigen. Weltweit steht das Unternehmen unter dem Druck, dass seine Plattformen jungen Nutzerinnen und Nutzern schaden.
Mosseri unter Druck
Aus einer Gerichtsakte, die im Rahmen einer bundesweiten Klage in Kalifornien am vergangenen Freitag öffentlich zugänglich gemacht und von Reuters eingesehen wurde, geht hervor, dass knapp ein Fünftel der 13- bis 15-jährigen Nutzer gegenüber Meta angab, auf Instagram „Nacktheit oder sexuelle Bilder gesehen zu haben“, die sie nicht sehen wollten. Das Dokument enthält Auszüge aus einer Aussage von Instagram-Chef Adam Mosseri vom März 2025.
Laut Meta-Sprecher Andy Stone stammen die Zahlen zu expliziten Bildern aus einer Nutzerbefragung aus dem Jahr 2021, in der Instagram-Mitglieder über ihre eigenen Erfahrungen auf der Plattform befragt wurden – nicht aus einer systematischen Auswertung von Beiträgen. Aus derselben Erhebung geht hervor, dass rund 8 Prozent der 13- bis 15-Jährigen angaben, auf Instagram „gesehen zu haben, wie sich jemand selbst verletzt oder damit droht“.
Mosseri erklärte, dass der Großteil sexuell expliziter Inhalte über private Nachrichten zwischen Nutzerinnen und Nutzern verbreitet werde und Meta bei einer Überprüfung dieser Inhalte den Datenschutz berücksichtigen müsse. „Viele Menschen wollen nicht, dass wir ihre Nachrichten lesen“, sagte er.
Internes Memo
Ein weiteres im Zuge der Klage veröffentlichtes Dokument zeigt, dass ein Meta-Forscher dem Unternehmen empfahl, Jugendliche als vorrangige Zielgruppe zu behandeln. Begründung: Sie wirkten als „Katalysatoren“ innerhalb ihrer Haushalte und beeinflussten das Nutzungsverhalten jüngerer Geschwister sowie der Eltern.
Das Memo ist auf den 20. Jänner 2021 datiert. Darin heißt es: „Wenn wir neue Nutzer gewinnen (und halten) wollen, müssen wir den Einfluss von Teenagern im Haushalt anerkennen, um dies zu erreichen.“ Auf eine Anfrage von Reuters zu diesem internen Dokument reagierte Meta zunächst nicht.
Ende 2025 gab das Unternehmen bekannt, dass für jugendliche Nutzerinnen und Nutzer Bilder und Videos „mit Nacktheit oder expliziter sexueller Aktivität, auch wenn sie von KI generiert wurden“, entfernt werden sollen – mit möglichen Ausnahmen für medizinische und bildungsbezogene Inhalte.
„Wir sind stolz auf die Fortschritte, die wir gemacht haben, und arbeiten stets daran, uns weiter zu verbessern“, sagte Sprecher Stone.