Ein Verrat aus dem engsten Umfeld, ein Militäreinsatz und ein Land im Ausnahmezustand – Mexiko erlebt eine historische Zäsur.
Die mexikanische Armee gab am Sonntag bekannt, dass Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes, Anführer des Kartells Jalisco Nueva Generación, tot ist. Der in Mexiko und den USA gleichermaßen gesuchte Drogenboss war demnach bei einem Militäreinsatz verletzt worden und erlag seinen Verletzungen noch während des Transports in die Hauptstadt Mexiko-Stadt. Verteidigungsminister Ricardo Trevilla zufolge war es eine Vertraute des Kartellchefs, die zu seiner Aufspürung entscheidend beitrug: Der mexikanische Geheimdienst hatte von einem geplanten Treffen zwischen der Frau und „El Mencho“ erfahren und diese Information genutzt, um ihn auf eine Ranch in Jalisco zurückzuverfolgen.
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Gewalt und Unruhen
Unmittelbar nach dem Zugriff errichteten mutmaßliche Kartellmitglieder Straßensperren aus brennenden Fahrzeugen, in Guadalajara wurden die Bewohner aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Das öffentliche Leben kam weitgehend zum Erliegen: Straßen leerten sich, Geschäfte, Apotheken und Tankstellen blieben am Montag geschlossen, Sportveranstaltungen und andere Großereignisse wurden abgesagt, Touristen zogen sich in ihre Unterkünfte zurück. In 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten kam es zu Ausschreitungen.
Inmitten der Unruhen ereignete sich in Jalisco zudem ein Gefängnisausbruch. Laut dem Sicherheitssekretär gelang mindestens 23 Häftlingen die Flucht, nachdem die Haftanstalt von kriminellen Gruppen unter Beschuss genommen worden war. Die Behörden zählten mindestens 27 getötete Sicherheitskräfte sowie 46 getötete mutmaßliche Bandenmitglieder.
Reaktion der Regierung
Die Regierung reagierte mit einem massiven Sicherheitsaufgebot und entsandte 10.000 Soldaten in die betroffenen Regionen. Auch die USA waren in die Operation eingebunden. Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte auf der Plattform X, Washington habe die Aktion, bei der „El Mencho“ „eliminiert“ worden sei, durch Geheimdienstinformationen unterstützt.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum stellte jedoch klar, dass keine US-Soldaten an dem Einsatz beteiligt gewesen seien – es habe lediglich ein „reger Informationsaustausch“ zwischen beiden Ländern stattgefunden.
Die Lage im Land sei inzwischen wieder „friedlich“ und „ruhig“, so Sheinbaum.