42 Jahre Österreich, dann der Abschied – ein Ehepaar wählt ein Dorf mit zehn Einwohnern als neues Zuhause.
Nach mehr als vier Jahrzehnten in Österreich haben Ivka und Ante Cicic eine Entscheidung getroffen, die viele in der Diaspora kennen, aber nur wenige tatsächlich umsetzen: Sie sind zurückgekehrt. Ihr Ziel ist das Dorf Zvirnjača bei Kupres in Bosnien und Herzegowina, wo sie ihren Lebensabend verbringen wollen. Ihre Kinder und Enkel bleiben in Österreich.
Ante Cicic war im Jänner 1973 nach Österreich gegangen und hatte dort, wie viele Arbeitsmigrantinnen und -migranten seiner Generation, überwiegend als Arbeiter gearbeitet. Ivka war unter anderem im Krankenhaus tätig. 42 Jahre lang war Österreich ihr Lebensmittelpunkt – bis die beiden beschlossen, diesen Abschnitt zu schließen. Für Ivka war die Entscheidung keine schwierige: „Hier ist es für mich schöner.“
Dorf im Wandel
Das Dorf, in das sie zurückgekehrt sind, hat sich in den Jahrzehnten ihrer Abwesenheit grundlegend verändert. Zvirnjača zählte 1991 noch 317 Einwohnerinnen und Einwohner, 2013 waren es nur noch 132. Heute leben dort dauerhaft etwa zehn Menschen. Das Ehepaar Cicic genießt die Stille des Ortes und freut sich auf Besuche aus Österreich.
Die Verbindung zur alten Heimat blieb trotz der massiven Abwanderung bestehen. Nach dem Krieg organisierte die Diaspora aus Zvirnjača gemeinsam die Finanzierung einer asphaltierten Dorfstraße – ein konkretes Zeichen dafür, wie tief die emotionale Verwurzelung vieler ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Herkunftsort geblieben ist, auch über Jahrzehnte und Grenzen hinweg.