Rund 3,4 Millionen Wahlberechtigte, zehn Kandidaten für das Staatspräsidium und erstmals breit eingesetzte Stimmzettelscanner: Bosnien und Herzegowina entscheidet heute über seine politische Führung für die kommenden vier Jahre.
In Bosnien und Herzegowina finden am heutigen Sonntag, dem 4. Oktober 2026, allgemeine Wahlen statt. Die Wahllokale sind von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Die Zentrale Wahlkommission nennt 3.408.517 Personen im Wählerverzeichnis und gesondert 48.078 für die Auslandswahl registrierte Wählerinnen und Wähler. Von diesen stimmen 45.457 per Briefwahl ab, weitere 2.621 in diplomatischen und konsularischen Vertretungen.
Insgesamt werden 518 Mandate unter 7.028 zugelassenen Kandidatinnen und Kandidaten vergeben. Im Inland wurden 5.569 Wahlstellen eingerichtet, darunter 5.121 reguläre Wahllokale und 385 mobile Teams. Im Ausland ist die Stimmabgabe in 20 diplomatischen und konsularischen Vertretungen in 13 Ländern vorgesehen.
Welche Ämter neu besetzt werden
Gewählt werden die drei Mitglieder des gesamtstaatlichen Präsidiums sowie die Abgeordneten des Repräsentantenhauses von Bosnien und Herzegowina. Hinzu kommen das Repräsentantenhaus der Föderation Bosnien und Herzegowina, die Nationalversammlung der Republika Srpska und die Parlamente der zehn Kantone der Föderation.
In der Republika Srpska stehen außerdem der Präsident und die beiden Vizepräsidenten zur Wahl. Die Präsidentschaft der Föderation wird hingegen nicht direkt von der Bevölkerung gewählt.
Beim dreiköpfigen Staatspräsidium gelten unterschiedliche Wahlkreise: In der Republika Srpska wird das serbische Mitglied gewählt. In der Föderation entscheiden die Wahlberechtigten entweder über den bosniakischen oder den kroatischen Sitz. Sie können dabei nur für einen der beiden Sitze eine Stimme abgeben.
Zehn Kandidaten für das Präsidium
Für den serbischen Sitz treten die amtierende Präsidiumsangehörige Željka Cvijanović, Marinko Božović und Nebojša Vukanović an. Um den kroatischen Sitz bewerben sich Darijana Filipović, Slaven Kovačević und Zdenko Lučić. Für den bosniakischen Sitz kandidieren Amtsinhaber Denis Bećirović, Bakir Izetbegović, Semir Efendić und Fahrudin Radončić.
Die Abstimmung entscheidet zugleich über die parlamentarischen Mehrheiten auf mehreren Ebenen. Diese sind für die anschließende Regierungsbildung maßgeblich. Ein bestätigtes Wahlergebnis bedeutet deshalb noch nicht, dass bereits alle neuen Regierungen feststehen: Dafür sind weitere politische Verhandlungen und institutionelle Schritte notwendig.
Scanner sollen Ergebnisse beschleunigen
Eine zentrale Neuerung ist die breite Anwendung biometrischer Wähleridentifikation und elektronischer Stimmzettelscanner. Die Verfahren sollen die Überprüfung der Wahlberechtigung verbessern und die Übermittlung der Ergebnisse beschleunigen. Erste Erfahrungen damit sammelte das Land bereits bei den Kommunalwahlen 2024, als verschiedene Technologien im Rahmen von vier Pilotprojekten an 458 Wahlstellen erprobt wurden.
Die Technik ersetzt die Kontrolle der Papierstimmzettel nicht: Die Stimmen werden zusätzlich manuell ausgezählt. Bei erheblichen Abweichungen zwischen den gescannten und den von Hand ermittelten Ergebnissen sind weitere Prüfungen vorgesehen. Bleiben die Unterschiede bestehen, ist nach Angaben zur vorgesehenen Auszählung das manuell ermittelte Ergebnis maßgeblich.
Den Wahlprozess sollen nach Schätzung der Wahlkommission rund 30.000 Beobachterinnen und Beobachter begleiten, darunter 756 international akkreditierte Vertreter. Nach dem Wahlschluss um 19 Uhr werden gegen 20 Uhr erste vorläufige und unvollständige Ergebnisse erwartet.
Die reguläre Frist zur amtlichen Bestätigung beträgt 30 Tage; für bestimmte Ausnahmefälle sehen die Regeln bis zu 45 Tage vor.