Kroatiens Städte wollen die Nacht neu regeln – und Split macht den ersten Zug. Ein Gesetz gibt den Kommunen bald mehr Macht.
Geplante Änderungen am kroatischen Handelsgesetz sollen Städten und Gemeinden künftig die Möglichkeit geben, den Alkoholverkauf in den Abend- und Nachtstunden eigenständig zu regulieren – mit dem erklärten Ziel, auf lokale Gegebenheiten reagieren und die öffentliche Ordnung besser durchsetzen zu können. Die geplanten Änderungen ermöglichen es Kommunen, den Alkoholverkauf zwischen 20:00 und 6:00 Uhr einzuschränken. Tomislav Šuta, Bürgermeister von Split, kündigte in den Abendnachrichten des kroatischen Fernsehsenders HRT an, dass der Stadtrat bereits eine Initiative zur Anpassung des rechtlichen Rahmens auf den Weg gebracht habe.
Ihm sei es ausdrücklich nicht um ein generelles Verbot gegangen, sondern um die Eindämmung von Störungen in der historischen Altstadt von Split. „Split ist heute nicht mehr die Stadt, die ich einst kannte“, sagte Šuta und fügte hinzu, die Behörden müssten den Anwohnern zuhören und für öffentliche Ordnung und Ruhe sorgen.
Lokale Reaktionen
Parallel dazu arbeite die Stadt an einer neuen kommunalen Verordnung, die das Angebot in der Altstadt weiterentwickeln und gleichzeitig Fehlverhalten im öffentlichen Raum wirksamer unterbinden soll. Die Bürgermeisterin von Rijeka, Iva Rinčić, zeigte sich grundsätzlich offen für neue Regelungen, mahnte jedoch zur Vorsicht gegenüber einem vollständigen Verbot.
Rijeka stehe zwar nicht vor denselben Problemen wie Split, doch der Alkoholkonsum unter Jugendlichen sei ein gesellschaftliches Phänomen mit weitreichenden Dimensionen, das lokalen Konsens und gezielte Aufmerksamkeit erfordere. Tourismusminister Tonči Glavina bewertete die geplanten Gesetzesänderungen als zusätzliche Steuerungsinstrumente für Reiseziele, die den Tourismusstrom besser lenken und den Konsum in geordnete Gastronomiebetriebe verlagern sollen.
Die Reaktionen in anderen Tourismusregionen fallen unterschiedlich aus: Vertreter von Šibenik und Novigrad sehen in den bestehenden kommunalen Regelungen bereits eine ausreichende Grundlage, während Zagrebs Bürgermeister Tomislav Tomašević ankündigte, die Hauptstadt werde zunächst die endgültige Fassung des Gesetzes abwarten, bevor konkrete Schritte eingeleitet werden.
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Bevölkerung gespalten
In der Bevölkerung ist die Meinung gespalten, wenngleich eine leichte Mehrheit die Regulierung befürwortet. Eine im Februar von Promocija plus im Auftrag von HRT durchgeführte HRejting-Umfrage unter 1.000 Befragten ergab, dass mehr als 55 Prozent ein Verbot des Einzelhandelsverkaufs von Alkohol nach 20 Uhr befürworten, während knapp 40 Prozent dagegen sind.
Rund 45 Prozent der Befragten sehen die Reduzierung des exzessiven Alkoholkonsums unter Jugendlichen als vorrangiges Ziel, andere nennen die Verbesserung der Ordnung in stark frequentierten Tourismusgebieten.