Ein Militärschlag trifft Mexikos mächtigsten Drogenboss – und löst eine Gewaltwelle aus, die Urlaubsparadiese in Angstzonen verwandelt.
In sozialen Netzwerken kursierende Videoaufnahmen sollen panische Passagiere am Flughafen Guadalajara zeigen. Eine unabhängige Überprüfung der Echtheit dieser Aufnahmen war zunächst nicht möglich. Die Bilder zeigen Menschen, die sich auf dem Boden in Deckung bringen oder in Sicherheit bringen.
Die Betreibergesellschaft des Flughafens versuchte unterdessen zu deeskalieren: Die Nationalgarde sei zwar vor Ort entsandt worden, doch habe es bislang „keine Zwischenfälle“ gegeben. Die dramatischen Szenen seien allein auf eine „Panik unter den Passagieren“ zurückzuführen.
An einem Ort, der für Urlaub und Leichtigkeit steht, hat sich blanke Panik breitgemacht. Videoaufnahmen aus dem Flughafen Guadalajara zeigen Reisende in höchster Not – Personen die mit Gepäck in der Hand durch Ausgänge stürmen. Wer nicht rechtzeitig flüchten kann, kauert hinter Abfertigungsschaltern und wartet auf das, was von draußen hereinzudringen droht: Flammen, Schüsse, enthemmte Gewalt.
🚨 Puerto Vallarta, MX: Cartel members burn cars, take over the airport, and turn the terminal into a battlefield as people flee for their lives.
Total anarchy on the ground.
Retaliation for El Mencho’s death the cartel just flipped the switch to full vengeance mode. pic.twitter.com/2nGbUvt9bA
— Kim „Katie“ USA (@KimKatieUSA) February 22, 2026
Über der Küstenstadt Puerto Vallarta steigen laut in sozialen Medien verbreiteten Videos dichte Rauchwolken auf. Das beliebte Urlaubsziel, das seit Jahrzehnten US-amerikanische und kanadische Touristen anzieht – darunter Prominente wie Chris Martin (48) oder Lady Gaga (39) – ist zum Schauplatz offener Gewalt geworden. Videos sollen zeigen, wie sich Urlauber in ihren Hotels verschanzen. Auch am Flughafen des rund 328 Kilometer entfernten Guadalajara spielten sich beunruhigende Szenen ab – in jener Stadt, in der in wenigen Monaten vier Partien der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen werden sollen.
JUST IN: 🇲🇽 CJNG cartel has reportedly stormed the Guadalajara Airport in Mexico after the Mexican army killed its leader El Mencho.
— Mohammed Jammal (@whitenigerian) February 22, 2026
pic.twitter.com/wIjoGJvIzh
Am Montag wurden nahezu sämtliche Flüge aus beiden Städten gestrichen. Das US-Außenministerium richtete einen klaren Appell an seine Staatsangehörigen: „Suchen Sie Schutz und bleiben Sie in Ihren Unterkünften.“
Tod von El Mencho
Auslöser der Gewalteskalation ist ein Militäreinsatz der mexikanischen Armee. Bei einer Razzia wurde Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes (59), der mächtigste Drogenboss Mexikos und Anführer des Jalisco-Kartells, tödlich verletzt. Sein Tod löste unmittelbar eine Welle der Vergeltung aus: In fünf Bundesstaaten wurden Busse und Lastwagen in Brand gesteckt, Straßen mit Flammenbarrikaden blockiert, Banken und Apotheken niedergebrannt.
Drei Soldaten wurden schwer verletzt, bei einem zeitgleich stattfindenden Gefängnisausbruch kamen zwei Wärter ums Leben. Das Kartell hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Auch die kanadische Botschaft forderte ihre Staatsbürger auf, Schutz zu suchen und sich unauffällig zu verhalten.
In den betroffenen Urlaubsregionen herrscht seither ein Zustand der Lähmung. Touristen sind in ihren Hotelzimmern eingeschlossen, die Angst vor den schwer bewaffneten Kartellmitgliedern auf den Straßen zu groß. Einstige Touristenhochburgen gleichen Geisterstädten: Geschäfte sind verriegelt, Cafés verwaist, das öffentliche Leben vollständig zum Erliegen gekommen.
Schulen blieben am Montag landesweit geschlossen. Der Gouverneur des Bundesstaates Jalisco, Pablo Lemus (56), wies die Bevölkerung an, zuhause zu bleiben. Bus- und Bahnverbindungen wurden ebenfalls eingestellt. Im Netz kursiert ein auf den 22. Feber, rund 9 Uhr morgens datiertes Video, das zeigen soll, wie Kartellmitglieder eine Tankstelle in Brand setzen.
🚨Holy Smokes!! Cartel members set gas station on fire 🔥 in Mexico.
— Juanita Broaddrick (@atensnut) February 22, 2026
This is INSANE!! pic.twitter.com/FYQ5C6CSfS
Über Puerto Vallarta steigt schwarzer Rauch auf. Im Guadalajara-Vorort Zapopan löscht die Feuerwehr einen brennenden Supermarkt – eines von zahlreichen Angriffszielen nach der Tötung von Kartellchef „El Mencho“ am 22. Feber 2026.
🚨 #ALERTA | Decenas de incendios se registran en Puerto Vallarta, Jalisco, tras el abatimiento de “El Mencho”, máximo líder del Cártel Jalisco Nueva Generación. Las autoridades despliegan un fuerte operativo mientras crece la tensión en la zona. pic.twitter.com/xX1G4GVXCi
— Mundo en Conflicto 🌎 (@MundoEConflicto) February 22, 2026
Kriminelle Laufbahn
Für Hinweise, die zur Ergreifung von „El Mencho“ geführt hätten, hatten die USA eine Belohnung von 15 Millionen Dollar ausgesetzt. Das Jalisco-Kartell ist berüchtigt für den Einsatz von Sprengstoff-Drohnen und Minen – sogar Hubschrauber sollen von der Organisation abgeschossen worden sein. „Ich habe großen Respekt vor der Präsidentin, (…) aber Mexiko wird von den Kartellen regiert“, hatte US-Präsident Donald Trump (79) im Oktober 2025 erklärt.
Die kriminelle Laufbahn von Oseguera Cervantes begann in den 1990er-Jahren in einem kalifornischen Gefängnis, wo er wegen Heroinschmuggels einsaß. Nach seiner Abschiebung nach Mexiko baute er das Jalisco-Kartell, bekannt unter dem Kürzel CJNG (Cartel Jalisco Nueva Generación), zu einem der mächtigsten Drogenimperien des Kontinents aus. Das Kartell ist heute in allen 50 US-Bundesstaaten präsent und erwirtschaftet Milliardenumsätze.
Während das rivalisierende Sinaloa-Kartell nach der Verhaftung von Joaquín „El Chapo“ Guzman zunehmend zerfiel, stieg „El Mencho“ zum unangefochtenen Narco-Anführer auf – und rückte damit ins Zentrum des internationalen Fahndungsdrucks.
Auch in Tijuana kam es zu Ausschreitungen, wo ein ausgebranntes Fahrzeug eine Straße blockierte. Mexikanisches Militär passierte brennende Straßensperren auf der Route Morelia–Pátzcuaro im Bundesstaat Michoacán, die mutmaßlich von Kartellmitgliedern errichtet worden waren.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum (63) wandte sich via X an die Bevölkerung: „Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren.“