60 Minuten vor der Hinrichtung, Zeugen bereits vor Ort – dann kam der Anruf, der alles stoppte.
Ein Bundesberufungsgericht hat die Hinrichtung von Christa Gail Pike in Tennessee in letzter Minute gestoppt. Die Vollstreckung wurde eine Stunde vor dem geplanten Zeitpunkt ausgesetzt – zu diesem Zeitpunkt hatten sich Zeugen bereits im Hochsicherheitsgefängnis Riverbend in Nashville-Cockrill Bend eingefunden.
Pike, heute 50 Jahre alt, wurde für einen Mord verurteilt, den sie 1995 im Alter von 18 Jahren beging. Das Gericht ordnete eine Überprüfung an, ob ihre Angaben zu erlittenem sexuellen Missbrauch und einer psychischen Erkrankung bei der Strafzumessung hinreichend Berücksichtigung fanden.
Der Mord 1995
Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund wurde Pike wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer verurteilt. Die Tat ereignete sich in einem Berufsbildungszentrum in Knoxville und erlangte unter anderem wegen mutmaßlich satanistischer Elemente traurige Bekanntheit – darunter ein in Slemmers Körper geritztes Pentagramm.
Pike bestreitet die Tat nicht. Ihre Unterstützer argumentieren jedoch, dass die Todesstrafe angesichts ihres Alters zum Tatzeitpunkt und ihrer traumatischen Biografie unverhältnismäßig sei. Pike selbst äußerte sich dazu in der Vergangenheit mit den Worten: „Ich war ein psychisch krankes 18-jähriges Kind. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich überhaupt die Schwere dessen begriffen habe, was ich getan habe – und noch länger, um zu akzeptieren, wie viele Leben ich zerstört habe.“
Rechtliche Sonderstellung
Der stellvertretende Bundesstaatsanwalt Steven Ferrell verwies darauf, dass auch anderen im Bundesstaat die Todesstrafe in vergleichbaren Fällen bereits erlassen worden sei – und damit auf die rechtliche Sonderstellung, in der sich Pike befindet.
Wie lange der Aufschub Bestand haben wird und ob ein Berufungsverfahren folgt, ist derzeit offen.