Ein Name aus den Epstein-Akten sorgt für eine handfeste Regierungskrise in London – mit Folgen bis ins Oberhaus.
Im Zuge der Ermittlungen rund um den Epstein-Skandal ist Peter Mandelson, der frühere britische Botschafter in Washington D.C., festgenommen und kurz darauf gegen Kaution wieder freigelassen worden. In den Fokus der Behörden geriet der langjährige Labour-Politiker durch seine enge Verbindung zu dem inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Ausgelöst wurde das Verfahren durch die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums in Washington D.C.
Diese legen nahe, dass Mandelson nicht nur deutlich tiefer in die Beziehung zu dem Multimillionär verstrickt war als bislang angenommen, sondern ihm während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise auch vertrauliche Regierungsinformationen zugespielt haben soll. Den Akten zufolge soll er Epstein bereits einen Tag vor der offiziellen Ankündigung über die Entscheidung für einen 500-Milliarden-Euro-Rettungsschirm informiert haben.
Belastende Vorwürfe
In der offiziellen Polizeimitteilung wurde Mandelson nicht namentlich erwähnt, sondern lediglich als 72-jähriger ehemaliger Minister bezeichnet, dem Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt zur Last gelegt wird. An zwei Adressen seien Hausdurchsuchungen vorgenommen worden; weitergehende Informationen würden vorerst nicht veröffentlicht. Besonders schwer wiegt für Mandelson der Umstand, dass er die Freundschaft zu Epstein auch nach dessen rechtskräftiger Verurteilung wegen erzwungener Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhalten hatte. Auch Premierminister Keir Starmer war dies bekannt.
Starmers Regierungskrise
Der Skandal zog eine handfeste Regierungskrise in London nach sich, in deren Verlauf Starmers Amt zeitweise auf der Kippe zu stehen schien. Für den Premierminister wurde die Lage vor allem deshalb brenzlig, weil er einräumen musste, von Mandelsons fortbestehender Freundschaft zu dem bereits verurteilten Straftäter Epstein gewusst zu haben, als er ihn im vergangenen Jahr zum britischen Botschafter in Washington D.C. ernannte.
Mandelson war von Februar bis September 2025 britischer Botschafter in den USA. Diesen Posten musste er im September infolge des Skandals wieder aufgeben. Auch seinen Sitz im Oberhaus in London verlor er, und nach dem Willen des Regierungschefs soll ihm darüber hinaus der Lord-Titel aberkannt werden.
Auch seinen Sitz im Oberhaus in London verlor er, und nach dem Willen des Regierungschefs soll ihm darüber hinaus der Lord-Titel aberkannt werden.