Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Stellenabbau

Jobabbau bei BMW: 8.000 Stellen weg, Steyr bleibt verschont

Jobabbau bei BMW: 8.000 Stellen weg, Steyr bleibt verschont
Foto: iStock
4 Min. Lesezeit |

Der letzte Domino fällt: BMW schließt sich dem Stellenabbau der deutschen Autobranche an – mit einer Zahl, die aufhorchen lässt.

BMW hat am Mittwoch ein umfangreiches Personalstrukturprogramm bekanntgegeben. Weltweit sollen demnach etwa 8.000 Stellen gestrichen werden, wie aus Unternehmenskreisen verlautete und mehrere Medien übereinstimmend meldeten. Mit diesem Schritt reagiert der Münchner Konzern auf die anhaltend schwierige Lage in der deutschen Automobilbranche.

BMW galt bislang als letzter großer deutscher Hersteller, der ohne ein derartiges Programm ausgekommen war. Spekulationen über einen bevorstehenden Personalabbau kursierten bereits seit Mitte Juni – nachdem der erst einen Monat zuvor vom Produktionsvorstand an die Konzernspitze gewechselte Milan Nedeljkovic eine deutliche Gewinnwarnung hatte ausgeben müssen. Damals war auch angekündigt worden, der Konzern werde „die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen“.

Freiwilliges Abfindungsprogramm

Der Abbau soll in Deutschland über natürliche Fluktuation sowie ein freiwilliges Abfindungsprogramm umgesetzt werden. Dieses Programm ist von Oktober 2026 bis Ende 2027 vorgesehen und richtet sich an alle Beschäftigten in Deutschland, die nicht in der direkten Produktion tätig sind. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter weltweit in Deutschland arbeitet – zur Jahresmitte waren es rund 84.000 –, ist davon auszugehen, dass auch der überwiegende Teil der wegfallenden Stellen auf Deutschland entfällt.

Das Abfindungsprogramm soll dabei nicht selektiv gestaltet sein, sondern steht grundsätzlich allen Mitarbeitern außerhalb der Produktion offen – einer Gruppe von insgesamt einigen zehntausend Personen. Ein schleichender Rückgang der Belegschaft hatte bereits vor der aktuellen Ankündigung eingesetzt: Zwischen Mitte 2025 und Mitte 2026 sank die Mitarbeiterzahl schon um rund 2.000, und auch die Jahresprognose für 2026 hatte einen leichten Rückgang vorgesehen.

Historisch betrachtet ist ein Stellenabbau in dieser Größenordnung bei BMW kein Novum: Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer ein Programm vergleichbaren Ausmaßes angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft sogar um mehr als 10.000 auf damals 95.000 Mitarbeiter – um danach wieder deutlich zu wachsen.

Am Nachmittag bestätigte eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem ORF Oberösterreich, dass das Werk in Steyr von dem Programm nicht betroffen ist. „Das Abbauprogramm betrifft die BMW AG in Deutschland, nicht das als GmbH geführte Motorenwerk in Steyr“, erklärte Susanne Tsitsinias von BMW. Das BMW Group Werk Steyr beschäftigt rund 4.700 Mitarbeiter und gilt als größtes Motorenwerk der BMW Group. Bereits am Vormittag hatte sich Reinhold Binder, Vorsitzender der Gewerkschaft Pro-GE, zu den Stellenstreichungen geäußert: „Wir hoffen natürlich, dass Steyr Motors nicht vom Stellenabbau betroffen ist.“

Branchenweiter Druck

BMW war lange das letzte der großen deutschen Autohäuser, das ohne ein umfassendes Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits im vergangenen Jahr Streichungen angekündigt – teils in erheblich größerem Umfang. Noch in dieser Woche hatte Porsche den Wegfall weiterer 5.000 Stellen bekanntgegeben, und auch bei den großen Zulieferern hält der Stellenabbau unvermindert an.

Die gesamte deutsche Automobilindustrie leidet unter dem Einbruch des chinesischen Marktes sowie dem dort massiv gestiegenen Wettbewerbs- und Preisdruck. Verschärft wird die Lage durch US-Zölle, den wachsenden Vormarsch chinesischer Hersteller auf dem Weltmarkt und die konjunkturellen Folgen der Krise im Nahen Osten. Als weiterer Grund für das Abfindungsprogramm wird in Unternehmenskreisen auch der Abschluss der kostenintensiven Entwicklungsphase der Neuen Klasse genannt – BMW hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass die Entwicklungskosten danach sinken sollten.

Die IG Metall Bayern äußerte sich vergleichsweise verhalten zu den Stellenstreichungen. „BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken“, sagte Bezirksleiter Horst Ott. Er betonte zudem, dass der Abbau „mit den Instrumenten der Betriebsparteien“ erfolge und tarifvertragliche Regelungen nicht zur Disposition stünden.

Der Gesamtbetriebsrat hatte seinerzeit „unverzügliche und verbindliche“ Gespräche eingefordert. Diese wurden nun offenbar binnen sechs Wochen abgeschlossen – dem Konzern entsprechend nach außen hin weitgehend geräuschlos. Bei der offiziellen Bekanntgabe des Personalstrukturprogramms sollen dem Vernehmen nach sowohl Betriebsratsvorsitzender Martin Kimmich als auch Konzernchef Nedeljkovic das Wort ergreifen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen