Eine 87-Jährige, 70 Jahre in derselben Wohnung – dann die Kündigung. Ihr Schicksal brachte Madrid auf die Straße.
Zehntausende Menschen sind in Madrid auf die Straße gegangen, um gegen Zwangsräumungen zu protestieren und das Recht auf Wohnen einzufordern. Symbolisch im Mittelpunkt stand dabei der Fall der 87-jährigen Maricarmen Abascal. Das spanische Innenministerium bezifferte die Teilnehmerzahl auf rund 25.000 Personen, während die Veranstalter von bis zu 300.000 Demonstrierenden sprachen.
Die Protestaktion stand unter dem Motto »Ni una Maricarmen más« und richtete sich gegen die Vertreibung von Abascal aus ihrer Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro – nach sieben Jahrzehnten, in denen sie dort gelebt hatte. Die Miete war zuvor um 275 Prozent auf 2.650 Euro angehoben worden.
Abascals Kampf
Im Anschluss an die Kundgebung begannen Teile der Menge, auf der Puerta del Sol ein Protestcamp aufzubauen. Abascal, die seit 1956 in der betreffenden Wohnung wohnte, war durch ihren Fall zu einer öffentlichen Symbolfigur geworden. »Ich habe es nicht geschafft, mein Haus zu verteidigen, aber ich habe dafür gekämpft, dass die anderen lernen, für ihres zu kämpfen«, sagte sie.
Gigantesca manifestación ahora mismo en Madrid contra el desahucio de Maricarmen y por una vivienda digna. Comienza una acampada en la Puerta del Sol. Impresionante. pic.twitter.com/HaSUivGXq5
— Fonsi Loaiza (@FonsiLoaiza) September 26, 2026
Trotz gesundheitlicher Einschränkungen zeigte sie sich entschlossen, den Kampf für Wohnrechte fortzusetzen.
Zentrale Forderungen
Die Kritik der Demonstrierenden richtete sich gleichermaßen gegen die sozialdemokratisch geführte Zentralregierung unter Premierminister Pedro Sánchez wie gegen konservative Regionalregierungen. Zu den zentralen Forderungen zählten eine automatische Verlängerung von Mietverträgen, ein verbesserter Schutz vor Zwangsräumungen sowie eine grundlegende Reform des Mietrechts.
Die Europaabgeordnete Irene Montero sprach sich für die Enteignung von 650.000 Wohnungen aus, die sich im Besitz sogenannter Geierfonds (spekulative Immobilienfonds) befinden, um diese als sozialen Wohnraum verfügbar zu machen.
Die spanische Regierung kündigte unterdessen ein neues Gesetzesdekret zur Wohnungspolitik an, das unter anderem Maßnahmen gegen Zwangsräumungen vorsehen soll.