Mehr Arbeitslose, aber trotzdem kein Personal: Österreichs Unternehmen stecken in einem Dilemma, das sich verschärft.
Neun von zehn Unternehmen berichten derzeit von Problemen bei der Personalsuche. Eine Erhebung des KSV1870 legt nahe, dass sich die Diskrepanz zwischen dem Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften und dem tatsächlich verfügbaren Personal künftig noch verschärfen könnte. Trotz gestiegener Arbeitslosigkeit bleibt die Lücke bestehen, einem Großteil der befragten Betriebe ist es dennoch ein Anliegen, die bestehende Belegschaft zu halten.
Die Zahlen verdeutlichen das Paradox: Die durchschnittliche Arbeitslosenquote nach nationaler Definition lag in Österreich im Jahr 2024 bei 7,0 Prozent und damit um 0,6 Prozentpunkte höher als im Jahr 2023. Dennoch finden Betriebe kein geeignetes Personal.
Strukturelles Problem
Im Rahmen des „Business Check“ des KSV1870, für den im März rund 1.100 Unternehmen befragt wurden, gaben 64 Prozent der Betriebe an, die Suche nach geeignetem Personal als gleichermaßen schwierig zu erleben wie zuvor. Für 24 Prozent hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr sogar verschlechtert, während lediglich 8 Prozent eine Entspannung wahrnahmen.
Veränderte Berufsbilder stellen Unternehmen vor wachsende Qualifikationsanforderungen. KSV1870-Geschäftsführer Ricardo-Jose Vybiral ordnet die Lage folgendermaßen ein: „Der Mangel an Arbeitskräften ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern vielmehr ein strukturelles Problem, das auch dem demografischen Wandel geschuldet ist. Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die Arbeit suchen, jedoch fehlen häufig die notwendigen Qualifikationen – auch in Anbetracht sich verändernder Berufsbilder. Diese Diskrepanz bremst Betriebe, erschwert ihre Entwicklung und kostet Wachstumspotenziale.“
Personalabbau in Wien
Die Umfrage zeigt darüber hinaus, dass 57 Prozent der Unternehmen ihren Personalstand im laufenden Jahr konstant halten wollen, weitere 12 Prozent ziehen einen Stellenabbau in Betracht. Nur 13 Prozent der österreichischen Betriebe rechnen mit einem Zuwachs an Mitarbeitenden, während bei den verbleibenden 18 Prozent die weitere Entwicklung von der wirtschaftlichen Gesamtlage im Jahresverlauf abhängt.
Beim geplanten Personalabbau sticht Wien mit einem Anteil von 16 Prozent hervor. Nach Branchen betrachtet ist vor allem die Gastronomie und Hotellerie mit 18 Prozent überdurchschnittlich stark vertreten – obwohl gerade dort nach wie vor Arbeitskräftemangel herrscht.