Österreichs Arbeitsmarkt sendet gemischte Signale: Während eine Gruppe profitiert, wächst der Druck auf eine andere deutlich.
Ende Juni 2026 verzeichnet der österreichische Arbeitsmarkt einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um rund 6.900 Personen gegenüber dem Vorjahr, was einem Plus von 2,4 Prozent entspricht – die Gesamtzahl der beim AMS vorgemerkten Arbeitslosen liegt damit bei rund 295.500. Die Register-Arbeitslosenquote beträgt 6,9 Prozent und liegt damit um 0,1 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahresmonats. Die Beschäftigung entwickelt sich leicht positiv: Schätzungen zufolge kommen rund 4.000 Beschäftigungsverhältnisse hinzu.
Der Zuwachs bei Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmenden blieb in den vergangenen Monaten annähernd konstant. Zusammen erreichen beide Gruppen im Juni 2026 einen Gesamtstand von 368.948 Personen – ein Anstieg von 4.529 oder 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Jugend & Langzeit
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft nahezu alle Altersgruppen – eine Ausnahme bilden die Jugendlichen, bei denen die Zahl der Arbeitssuchenden stagniert. Im Jahresvergleich ist die Jugendarbeitslosigkeit im Juni 2026 sogar leicht um 0,7 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden um 13,1 Prozent beziehungsweise 1.160 Personen.
Auch die Zahl der offenen Lehrstellen geht gegenüber dem Vorjahr um 906 zurück, woraus sich eine Lehrstellenlücke von 1.641 Stellen ergibt. Aufgeschlüsselt nach Geschlecht zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Arbeitslosigkeit bei Frauen steigt im Juni um 5,9 Prozent, während jene der Männer leicht um 0,5 Prozent sinkt. Bei Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft ist ein moderater Anstieg von 0,4 Prozent zu verzeichnen, bei österreichischen Staatsangehörigen fällt der Zuwachs mit 3,7 Prozent deutlicher aus.
Diese geschlechtsspezifische Entwicklung ist kein Einzelbefund des Monats Juni: Bereits im Mai 2026 ging die Zahl der arbeitslosen Männer um 2,2 Prozent zurück, während jene der arbeitslosen Frauen um 4,2 Prozent zunahm. Auch die Daten von Statistik Austria zeigen im ersten Quartal 2026 einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosenquote bei Frauen um 0,5 Prozentpunkte gegenüber nur 0,1 Prozentpunkten bei Männern.
Der anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit über mehrere Monate hinweg schlägt sich auch in der Langzeitarbeitslosigkeit nieder: Die Zahl der Personen, die seit mindestens einem Jahr beim AMS vorgemerkt sind, wächst auf 104.188 – ein Plus von 11.765 oder 12,7 Prozent. Damit stellen Langzeitbeschäftigungslose bereits 35 Prozent aller arbeitslos vorgemerkten Personen.
Offene Stellen & Lehre
Die Bestandszahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen geht Ende Juni 2026 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent auf 80.570 zurück. Der monatliche Zugang an neu gemeldeten offenen Stellen entwickelt sich im Juni hingegen positiv: Mit einem Plus von 8,5 Prozent beziehungsweise 3.397 zusätzlichen Stellen zeichnet sich hier eine leichte Erholung ab.
Parallel dazu setzt sich der Rückgang bei den Lehrlingszahlen fort. Im Mai 2026 ist in sämtlichen Bundesländern und nahezu allen Sparten ein Rückgang der Lehrlinge im ersten Lehrjahr zu beobachten. Bundesweit beträgt der Rückgang bei den besetzten betrieblichen Ausbildungsplätzen im ersten Lehrjahr Ende Mai 6,1 Prozent.
Angesichts dieser Entwicklung gewinnt die Überbetriebliche Lehre als Auffang- und Qualifizierungsinstrument für Jugendliche an Bedeutung. Ende Mai befanden sich 6.133 Personen in einer vom AMS finanzierten überbetrieblichen Ausbildung – ein Anstieg von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann betont die Relevanz dieses Instruments: „Wir dürfen die Zukunft unserer Jugend nicht aufs Spiel setzen. Die Überbetriebliche Lehre ist ein unverzichtbares Instrument, um Jugendlichen eine fundierte Berufsausbildung zu garantieren und ihnen einen erfolgreichen Start in ihre berufliche Zukunft zu ermöglichen.“
Die Inflation in Österreich liegt im Juni bei 3,2 Prozent.