Was die Steiermark seit Jahren schützt, soll bald auch den Kosovo retten – ein Besuch mit großen Erwartungen.
Eine Delegation aus dem Kosovo ist am Dienstag am Flughafen Graz eingetroffen, um sich über das Hagelabwehrsystem der Steiermark zu informieren und Einblicke in den Aufbau einer vergleichbaren Infrastruktur zu gewinnen. Josef Mündler, Obmann der Steirischen Hagelabwehr-Genossenschaft, erläuterte das Grundprinzip des Verfahrens: „Die fangen dann freies Wasser ein und machen daraus kleine Eiskugerl. Man versucht, den Hagel überhaupt zu verhindern, indem wir oben Eiskeime bilden – ein Zentimeter Eis oben kommt herunten als Schneeflocke oder Wassertropfen an.“ Die gemeinsam mit der TU Graz entwickelten Generatoren setzen dabei mehr als sechs Billarden Partikel pro Sekunde frei.
Kosovos Interesse
Die 13-köpfige Gruppe, angeführt von Kosovos Landwirtschaftsminister Armend Muja, besichtigte sowohl die Flugzeugausrüstung als auch die radargestützte Wettererfassungstechnik. Muja erklärte, warum sein Land an diesem Wissen so großes Interesse hat: „Wir brauchen das Wissen, Experten und ein Frühwarnsystem, damit wir diese katastrophalen Hagelunwetter verhindern können. Deshalb sind wir hier.“ Hintergrund ist, dass Hagelstürme im Kosovo in den vergangenen Jahren wiederholt ganze Ernten vernichteten.
Europäisches Ziel
In der Steiermark ist das Vorgehen längst Routine: Sobald sich ein Unwetter ankündigt, starten Kleinflugzeuge der Hagelabwehr und bringen über Bord-Generatoren Silberjodid aus. Die Steirische Hagelabwehr-Genossenschaft sieht sich dabei in der Lage, solche Systeme auch europaweit zu etablieren – Mündler formulierte das Ziel so: „und zwar, dass man Hagelabwehr auf einen europäischen Standard bringt. Wie es jetzt im Moment ausschaut, lehnt man sich an uns an und versucht, gemeinsam mit Wissenschaft und Forschung ein Europa-Projekt herauszubringen.“ Das bislang einsatzreichste Jahr der fünf Genossenschaftsflugzeuge war 2024 mit insgesamt 330 Einsätzen; im laufenden Jahr wurden bisher 15 Einsätze verzeichnet.