Tennisballgroße Hagelkörner, zerstörte Ernten, Millionenschäden – die Herzegowina erlebt ein Unwetter der Extremklasse.
Ein heftiges Unwetter hat am Dienstag, dem 21. Juli, weite Teile der Herzegowina getroffen und in den Gemeinden Nevesinje und Berkovići besonders schwere Schäden hinterlassen. Hagel, Sturm und Starkregen entluden sich innerhalb weniger Minuten über der Region. Regionale Wetterbeobachter dokumentierten Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu fünf oder sechs Zentimetern – Ausmaße, die nahezu an die Größe von Tennisbällen heranreichen. Aufnahmen aus der Region zeigen Straßen und Felder, die unter einer dichten weißen Schicht aus Eis begraben lagen.
In Nevesinje wurden Fahrzeuge erheblich in Mitleidenschaft gezogen: Windschutzscheiben barsten, Karosserien wurden eingedellt, Dächer und Hausfassaden beschädigt. Die Dörfer rund um Bratača, Batkovići und Čitluk gehören zu den am stärksten betroffenen Gebieten. Ersten Schätzungen zufolge belaufen sich die Schäden allein in dieser Gemeinde auf mehrere Millionen Konvertible Mark. Betroffen sind landwirtschaftliche Flächen, Wohngebäude, Nebengebäude, Fahrzeuge sowie Teile der lokalen Infrastruktur. Für viele Landwirte der Region bedeutet das Unwetter den Verlust eines Großteils ihrer diesjährigen Ernte.
Ernte fast vernichtet
In Berkovići wurden nach ersten Angaben rund 40 landwirtschaftliche Betriebe in Mitleidenschaft gezogen. Unter den vernichteten Kulturen befinden sich etwa eine halbe Million Paprikapflanzen sowie erhebliche Mengen an Tomaten, Kohl und Wassermelonen. Manche Bauern gehen davon aus, dass von ihrer erwarteten Ernte nur noch etwa zehn Prozent gerettet werden können. Auch Obstbäume erlitten schwere Schäden. Fachleute warnen, dass die Folgen bei bestimmten Kulturen noch über mehrere Jahre hinweg spürbar bleiben werden. Die Gemeinde Berkovići rechnet vorläufig mit Schäden im Bereich mehrerer Hunderttausend Konvertibler Mark – eine genaue Bezifferung ist erst nach Abschluss der laufenden Erhebungen möglich.
Massive hailstorm in Nevesinje, Bosnia and Herzegovina, yesterday… pic.twitter.com/Jli2tnUDkv
— Volcaholic 🌋 (@volcaholic1) July 22, 2026
In beiden Gemeinden wurden eigens Kommissionen eingesetzt, die die entstandenen Schäden systematisch erfassen sollen. Betroffene Haushalte und Betriebe haben die Möglichkeit, ihre Verluste bei den zuständigen Behörden zu melden. Dokumentiert werden unter anderem beschädigte Anbauflächen, Gebäude, Fahrzeuge und landwirtschaftliche Geräte. Auf Basis dieser Meldungen soll anschließend über mögliche Entschädigungsleistungen entschieden werden. Die Regierung der Republika Srpska hat angekündigt, die betroffenen Gemeinden, Einwohner und Landwirte bei der Bewältigung der Folgen zu unterstützen.
Staatliche Hilfe unklar
Konkrete Angaben dazu, in welcher Höhe staatliche Hilfe gewährt werden soll und wann mit einer Auszahlung zu rechnen ist, liegen bislang nicht vor. Der Bürgermeister von Nevesinje, Milenko Avdalović, erklärte, die Regierung und die Gemeinde wollten den betroffenen Landwirten erheblich helfen. Eine vollständige Erstattung sämtlicher Verluste sei jedoch kaum möglich. Betroffene sollten daher Rechnungen, Fotos, Videos, Grundbuchdaten und Nachweise über ihre landwirtschaftliche Produktion sichern. Diese Unterlagen können bei der späteren Schadensbewertung entscheidend sein.
Die Hagelabwehr der Republika Srpska setzte während der Unwetterlage nach eigenen Angaben 52 Raketen von 22 Stationen aus ein. Allein im Raum Nevesinje wurden 16 Raketen abgefeuert, in Berkovići weitere fünf. Nach Darstellung der zuständigen Stelle konnte dadurch verhindert werden, dass sich der schwerste Hagel auf ein noch größeres Gebiet ausweitete. Die Dimension der Schäden zeigt allerdings, dass selbst intensive Hagelabwehr ein außergewöhnlich starkes Gewitter nicht vollständig aufhalten kann.
Auch aus Čapljina, Grude, Ljubuški und Čitluk wurden starke Gewitter und Hagelschäden gemeldet – Fahrzeuge, Gebäude und landwirtschaftliche Flächen waren dort ebenfalls betroffen. Das Zentrum der schwersten Verwüstungen lag nach bisherigem Erkenntnisstand jedoch klar in Nevesinje und Berkovići.
Die endgültige Schadensbilanz wird erst vorliegen, wenn die lokalen Kommissionen ihre Arbeit abgeschlossen haben.